Aktuell liegt der Anteil an erneuerbarer Energie in Tirol bei 45 Prozent. Neben Wasserkraft (ca. 59 Prozent) gehört Biomasse (ca. 36 Prozent) zu den zwei Säulen der erneuerbaren Energieversorgung des Bundeslandes. Die restlichen ca. fünf Prozent übernehmen Umgebungswärme, thermische Solaranlagen und PV.

Als Biowärme Tirol (ehemals Tiroler Heizwerkverband) haben unsere 40 Mitgliedsbetriebe in den letzten 30 Jahren ca. 80 Anlagen realisiert. Die Bandreite reicht von kleinen Mikronetzen bis hin zur Versorgung von Bezirkshauptstädten wie Lienz, Imst und Kufstein. In Summe werden Kunden in allen Teilen Tirols mit einem Wärmebedarf von ca. 765 GWh/a erneuerbarer Nahwärme versorgt. Dies entspricht dem Verbrauch von ca. 50.000 Einfamilienhäusern. Der Gesamtabsatz aller Nahwärmeanlagen erreicht in Tirol ca. 880 GWh/a bei einem erneuerbaren Anteil von 75,6 Prozent.

Pioniere der Wärmewende

Als Pioniere der „Wärmewende“ in Tirol freuen wir uns über die Schwerpunktsetzung des Landes und möchten die Erreichung der Klimaneutralität im Bereich des Erdöles bis 2035 und im Bereich des Erdgases bis 2040 weiterhin und mit voller Tatkraft unterstützen. Zu diesem Zweck wurden im ersten Schritt die Statuten der Arbeitsgemeinschaft dahingehend geändert, dass neben den Biomasse-
heiz(kraft)werkbetreibern alle erneuerbaren Einspeiser sowie Abwärme-
netzbetreiber Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft werden können.

Die große Stärke der Nahwärme liegt in der Kombinierbarkeit verschiedenster Technologien bis hin zu Power to Heat. Als klares Qualitätskriterium wurde ein Anteil von zumindest 80 Prozet erneuerbarer Wärme im Wärmenetz definiert. Mit 1. Oktober 2021 ist im nächsten Schritt eine Umbenennung des Tiroler Heizwerkverbandes in Biowärme Tirol erfolgt.

Insgesamt, das besagen alle Studien, sind erneuerbare Energie und Wärme knapp und kostbar. Zunächst geht es darum, die unterschiedlichen erneuerbaren Technologien, wie Nahwärme, Biomasseeinzelfeuerungsanlage und Wärmepumpen dort einzusetzen, wo ihre Stärken liegen.

Die Stärke der Nahwärme liegt in Gebieten mit hoher Wärmebelegung. Darunter versteht man ganz allgemein gesprochen die benötigte Wärme bezogen auf eine für die Versorgung notwendige Leitungslänge. Je höher die Belegung, desto höher die Effizienz. Aus diesem Grund ist eine Priorisierung der Nah- und Fernwärme im Bereich der Bestandsnetze dringlich: Durch die Verdichtung im Netzbereich wird die Effizienz gesteigert. Neuanlagen sollen wiederum dort errichtet werden, wo die Grundvoraussetzung einer hohen Wärmebelegung gegeben ist.

Systematische Planung

Damit Nahwärme ihr volles Potenzial entfalten kann, bedarf es einer systematischen Energieraumplanung. Dabei werden in einem ersten Schritt Wärmebelegungen und erneuerbare Einspeisepotentiale bzw. Abwärmepotentiale erhoben. Gute Anwendungen sind im städtischen Bereich und in Tourismusgebieten zu erwarten. Gerade die bestehenden Nahwärmeversorgungen von St. Christoph, Längenfeld, Lermoos, Seefeld, Fügen, Kufstein, St. Johann bis Lienz sind schon jetzt Erfolgsgeschichten!

Die erneuerbaren Nahwärmebetreiber regen daher die Einführung einer systematischen Energieraumplanung als Leitinstrument zur Erreichung der 2040 Ziel an. Als Errichter und Betreiber von Nah- und Fernwärmenetzen sind uns notwendige Umsetzungszeiten für Projekte sehr vertraut. Das aktuelle Niveau wurde in ca. 30 Jahren erreicht. Unter der Annahme der Verdoppelung des Bestandes müsste die Ausbaugeschwindigkeit ebenfalls verdoppelt werden. Um dies zu erleichtern, wäre eine gesetzliche und verbindliche Regelung wesentlich.

Als Biowärme Tirol starten wir im Dienste der Nachhaltigkeit neu durch. Dazu bedarf es technischer Lösungen. Entscheidend wird aber sein, die Tirolerinnen und Tiroler, die Gemeinden und die Betriebe auf diesem Weg mitzunehmen. Alle sind wichtig! Es gilt weiterhin, den Boden für nachhaltige Projekte zu bereiten und objektiv und faktenbasierend zu informieren. Eine zentrale Rolle in der Kommunikation wird dabei auch die neue Homepage www.biowaerme.tirol übernehmen.

- Werbung -
AUTORred. AH
Vorheriger ArtikelAchte beim Einkauf auf den Wald!
Nächster ArtikelIGP Dialog: Innovative Landwirtschaft braucht Anreize statt Verbote