Breite Unterstützung für mehr Tierwohl

Bauernbund-Präsident Georg Strasser: "Die Agrarbranche kann sich weiterentwickeln - im Gleichklang mit dem Kaufverhalten."

Ab 2021 erhöht sich der Fördersatz für Investitionen in besonders tierfreundliche Haltungen bei Schwein und Pute von 25% auf 35% der Investitionskosten.

“120 Mio. Euro jährlich werden künftig in mehr Tierwohl investiert. Österreich ist in vielen Branchen zwar jetzt schon Europa- oder sogar Weltmeister im Tierschutz, trotzdem wollen wir uns permanent weiterentwickeln, um unsere Spitzenposition als Feinkostladen Europas zu festigen. Der ‘Pakt für mehr Tierwohl’ eröffnet Chancen für österreichische Bauernfamilien, weiter in Tierwohlmaßnahmen zu investieren. Gleichzeitig liegt es auch an unseren Konsumenten, den Mehrwert der höherwertig produzierten Lebensmittel auch tatsächlich zu honorieren”, erklärt Bauernbund-Präsident Georg Strasser zum von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger vorgestellten Pakt für mehr Tierwohl.

120 Mio. Euro für Tierwohlställe, keine Förderung mehr für Vollspalten

“Tierwohl steht für unsere Bäuerinnen und Bauern an oberster Stelle. Es ist ihr ureigenstes Interesse, den Tieren am eigenen Betrieb ein gutes Dasein zu ermöglichen. Mit dieser Initiative bekommen Bauernfamilien jetzt eine Chance, zusätzliche Investitionen in Tierwohl zu realisieren”, sagt Strasser. Konkret soll es 120 Mio. Euro Förderung für Investitionen in tiergerechtere Haltungssysteme geben. Dazu zählt etwa eine Erhöhung des Fördersatzes für Investitionen in besonders tierfreundliche Haltungen bei Schwein und Pute von 25 auf 35% der Investitionskosten. Zudem soll es eine Unterstützung bei laufendem Aufwand für mehr Tierwohl geben. Weiters sollen Kälbertransporte reduziert und die Gemeinsame Agrarpolitik in Richtung mehr Tierwohl weiterentwickelt werden. Das heißt, dass es ab 2021 keine Förderung mehr für den Neubau von Anbindeställen (ausgenommen Kleinstbetriebe) und ab 2022 keine Förderung mehr für den Neubau von Ställen gibt, die nur den gesetzlichen Mindeststandard erfüllen – etwa für Ställe, die ausschließlich Vollspaltenböden in der Schweinehaltung verwenden.

“Es ist nicht fair, sich öffentlich mehr Tierwohl zu wünschen und dann die Billigprodukte über die Supermarktkasse zu ziehen”, hebt Strasser die unterschätzte Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten hervor. “Nachhaltig können wir mehr Tierwohl schaffen, wenn auch die Verbraucher ihre Macht vor dem Supermarktregal erkennen und zu Lebensmitteln greifen, die in Österreich zu höheren Standards produziert wurden”, so der Bauernbund-Präsident. 

Auch die Jungbauern wollen Vorreiterrolle bei Tierwohl weiter ausbauen 

Dem schließt sich auch die Österreichische Jungbauernschaft an. Bundesobmann Franz Xaver Broidl und Generalsekretärin Pia Eßl betonen: „Der Tierwohl-Pakt und der Ausbau von Qualitätsprogrammen sind ein starkes Zeichen für die heimische Landwirtschaft. Wir kommen den Anforderungen der Konsumenten gerne entgegen, dieser Mehraufwand muss für uns Bäuerinnen und Bauern aber dementsprechend abgegolten werden. Die Letztentscheidung für mehr Tierwohl liegt somit nach wie vor in hohem Ausmaß bei den Konsumenten, welche unsere Produkte auch kaufen.” 

Weitere Reaktionen 

Walter Lederhilger, Nachhaltige Tierhaltung Österreich: 

„Die Vertreter der Nutztierbranche sehen den Tierwohl-Pakt als Start für eine gemeinsame Weiterentwicklung der heimischen Tierhaltung. Dabei ist es wichtig, den Absatz der heimischen Produkte zu sichern und faire Preise zu erzielen.“ 

Josef Schwaiger, Landesagrarreferenten-Konferenz: „Es freut mich ganz besonders, dass ab 2021 die finanziellen Anreize für Investitionskosten bei besonders tierfreundlichen Ställen, die über den gesetzlichen Mindeststandards liegen, erhöht werden. Das Tierwohl in Österreich ist uns somit ein großes Anliegen.“

Stephan Pernkopf & Paul Nemecek, NÖ Bauernbund: 

Von artgerechter Haltung und gerechten Preisen können Tiere, Bauern und Kunden profitieren. Bessere Bedingungen in der Tierhaltung, mehr Platz und Beschäftigung im Stall – Tierwohl muss uns etwas wert sein, und Tierhalter müssen von ihrer Arbeit leben können.“ 

Max Hiegelsberger, OÖ Bauernbund: 

„Um mehr Tierwohl zu erreichen, wird auf Unterstützung beim Neu- und Umbau von tierwohlgerechten Ställen und nicht auf Verbote gesetzt. Ein Miteinander ist immer zielführender als ein Gegeneinander.“ 

Simone Schmiedtbauer, EU-Abgeordnete: 

„Ich unterstütze Pakt von ganzem Herzen. Unsere heimische Expertise ist auch auf EU-Ebene gefragt, und ich werde sie im Europaparlament einbringen – insbesondere im Untersuchungsausschuss für Lebendtiertransporte, in dem ich die ÖVP vertrete. Wir brauchen einen Schulterschluss zwischen der nationalen und der europäischen Ebene. 

Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammer Österreich: 

„Der Pakt für mehr Tierwohl in der produzierenden Landwirtschaft ist ein wichtiger Schritt nach vorne und ein deutliches Zeichen, dass sich die Landwirtschaft immer weiterentwickelt. Wir setzen uns realistische Ziele setzen und hinterlegen sie mit den notwendigen Maßnahmen.“

Stefan Lindner, Zentrale Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Rinderzüchter: 

“Diese in Aussicht gestellten Investitionen und Zukunftspläne bestätigen den seit Jahren eingeschlagenen österreichischen Weg der Rinderzucht. Die über 21.000 heimischen Rinderzüchterinnen und Rinderzüchter produzieren unter hohen Tierwohl- und Umweltstandards qualitativ hochwertige Fleisch- und Milchprodukte für die Gesellschaft.”

Franz Karlhuber, Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft: 

Die Sonderförderung kommt zur rechten Zeit, liegt doch die Selbstversorgung bei heimischem Putenfleisch bei nur 43%. Das Sonderprogramm soll ein Anreiz für interessierte Landwirte sein, in die Putenhaltung einzusteigen. Die österreichische Geflügelwirtschaft will ihre proaktive und marktorientierte Arbeitshaltung in der Legehennenhaltung und der Mastgeflügelhaltung fortsetzen und ausbauen. Wir begrüßen auch einen bundesweiten Tiergesundheitsdienst und fordern einen solidarischen Lebensmitteleinkauf in öffentlichen Einrichtungen.” 

 

Hannes Royer, Land schafft Leben: 

„Der Pakt für mehr Tierwohl steht im Einklang mit den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten. Diese fordern mehr Tierwohl, mehr Regionalität und mehr Nachhaltigkeit.“ 

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