Auftakt der Biomassekonferenz: Mit Bioenergie in eine grünere Zukunft

Walter Haslinger, Simone Schmiedtbauer, Elisabeth Köstinger und Franz Titschenbacher beim Auftakt der Mitteleuropäischen Biomassekonferenz

„Die nachhaltige und regionale Nutzung des vielseitig verwendbaren Rohstoffes Holz ist ein internationales Erfolgsmodell und hat uns im Bereich der Bioenergie zum Weltmarktführer gemacht. Der österreichische Wald ist ein unglaublicher Schatz, den wir weiter nutzen müssen. Die heimische Bioenergie-Technologieführerschaft der Betriebe und die renommierte Forschungstätigkeit führen dazu, dass wir anlässlich der 6. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz CEBC 2020 260 Vortragende aus allen Kontinenten und über 1.000 Besucher in Graz begrüßen dürfen“, eröffnete Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes, am Donnerstag, 23. Jänner, die Leitveranstaltung der Bioenergie-Branche. „Bioenergie ist nicht nur ein wertvoller Beitrag bei der Bewältigung von Schadereignissen wie Windwürfen, Borkenkäferschäden sowie Klimawandelanpassungen im Wald, sondern auch der bedeutendste erneuerbare Energieträger und damit der wichtigste Baustein beim Ausstieg aus der fossilen Energie. Gemeinsam mit unseren Partnern Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft können wir ein kostengünstiges, nachhaltiges und umweltschonendes Energiesystem sicherstellen. Das vorliegende Regierungsprogramm, das wir außerordentlich positiv bewerten, ist ein sehr guter Start in das Energiewende-Jahrzehnt bis 2030. Was wir jetzt brauchen sind stabile gesetzliche Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren im Wärme-, Strom-, Gas- und Treibstoffbereich und einen konsistenten Ausstiegsplan für fossile Energien”, betonte Titschenbacher.

Green Deal bietet immenses Potential

Anfang Dezember stellte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem Europäischen Parlament die Grundzüge des „Europäischen Green Deal“ vor. Dieser sieht ein umfassendes Maßnahmenpaket im Kampf gegen den Klimawandel vor, das unter anderem die Bereiche Umwelt, Klima, Landwirtschaft, Mobilität, Energie, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität erfasst. „Das Ziel ist klar: Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. In Österreich sind wir meinem Ansehen nach bereits Klimaschutzvorreiter und haben die besten Voraussetzungen. Der Green Deal bietet jetzt immenses Potenzial, fossile Ressourcen durch erneuerbare Ressourcen zu ersetzen, Bioökonomie zu leben, zum Wohle unserer zukünftigen Generationen. Nutzen wir dieses Potenzial auch“, erklärte Simone Schmiedtbauer, EU-Abgeordnete und Agrarsprecherin der ÖVP-Fraktion im EU-Parlament. „Wir, österreichische Land-, Forst- und Energiewirte, leben Klimaschutz auf unseren kleinstrukturierten Familienbetrieben an 356 Tagen im Jahr. Nirgends wird so umweltbewusst und nachhaltig gewirtschaftet wie in der heimischen Land- und Forstwirtschaft. Unser ökosozialer Weg hat sich bewährt und kann richtungsweisend für ganz Europa sein“, zeigte sich Schmiedtbauer überzeugt.

Bioenergie-Forschung weltweit führend

„International wettbewerbsfähige Spitzenforschung und ein hohes Maß an Kundenorientierung in der anwendungsorientierten Forschung sind die Ansprüche der heimischen Bioenergie-Forschung. Unsere Kernkompetenz ist die saubere und effiziente energetische Nutzung von Biomasse. Wir bearbeiten aber auch die Themenfelder wie die Verwertung von Reststoffen, die Entwicklung von Energiemanagementsystemen und die Planung und Regelung von Mikronetzen“, erklärte Walter Haslinger, Geschäftsführer des Forschungsinstitutes BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH. Die Analysen von BEST zeigen beispielsweise, dass sich bis 2050 trotz deutlich erhöhtem Einsatz von Biomassekesseln (bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung und Gebäudedämmung), die Staubemissionen aus Kleinfeuerungen um 90 % verringern werden. Dies wird durch den Ersatz veralteter Feuerungsanlagen (Allesbrenner verursachen 68 % der Feinstaubemissionen aus Holzheizungen) durch moderne, elektronisch geregelte, emissionsarme Feuerungen erreicht. Die neueste BEST-Studie hat die Kosten von CO2-Einsparungsmaßnahmen im Non-ETS-Bereich, das heißt in jenem Bereich, der nicht durch den CO2-Zertifikatehandel abgedeckt is, analysiert und kommt zum Schluss, dass Bioenergie-Technologien die günstigste Lösung zur Energiewende im Raumwärme- und Verkehrsbereich darstellen. Besonders vielversprechend ist laut Haslinger die in Österreich entwickelte Vergasungstechnologie. Von ihr ausgehend ist die Produktion von Wasserstoff, synthetischem Erdgas, Diesel, Kerosin, aber auch Strom und Wärme möglich. „Rohstoffe sind bei entsprechenden Mobilisierungsmaßnahmen und effizientem Umgang mit dem Rohstoff Biomasse und Energie im Allgemeinen ausreichend vorhanden“, betonte Haslinger.

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