Die Feier fand in der Wagner Hütte im Verwalltal bei St. Anton am Arlberg statt. Vertreter der elf Mitgliedsgemeinden St. Anton, Pettneu, Flirsch, Strengen, Pians, Grins, Tobadill, Stanz, Landeck, See und Kappl, Funktionäre der Landwirtschaftskammer und die Jägerschaft vom Verwall nahmen daran teil und bedankten sich beim scheidenden Gewalthaber für seinen Einsatz.
35 Jahre für das Zweidrittelgericht
Der St. Antoner Bürgermeister Helmut Mall würdigte die Verdienste von Alfons Falch, der die Funktion des Gewalthabers zehn Jahre lang innehatte und zuvor 25 Jahre lang Stellvertreter seines Vorgängers Paul Ruetz aus Tobadill war. „Alfons Falch war Jungbauern-, Ortsbauern-, Agrar- und Gebietsobmann, war Funktionär in der Bezirks- und Landwirtschaftskammer, Funktionär beim Tiroler Waldverband, beim Braunviehzuchtverband, Forstbeirat und beim Maschinenring tätig, brachte sich als Gemeinderat und Vorstand ein, war Mitglied in der Lawinenkommission und bei der Feuerwehr. Für diesen Einsatz gebührt ihm ein besonderer Dank“, so Mall.
Was ist das Zweidrittelgericht?
Das Zweidrittelgericht Landeck geht auf die Einteilung des Herrschaftsgebiets in Gerichte im Jahr 1252 zurück und ist eine Gemeinschaft aus elf Gemeinden, die ihre Galtvieh- und Schafalmen nach jahrhundertealten Regeln bewirtschaftet. Bei der jährlichen „Hutverlassung“ werden die Bewirtschaftung der Almen und die Vergabe der Hutschaften beschlossen, wobei überliefertes Erfahrungswissen eine wichtige Rolle spielt. Der „Gewalthaber“ ist eine Art Geschäftsführer des Zweidrittelgerichtes. Er wirbt das Almpersonal an und nimmt die Anmeldungen des Viehs entgegen, beruft die Hutverlassung ein und vertritt die Gemeinschaft nach außen. Seit 2017 ist das Zweidrittelgericht „immaterielles Kulturerbe“. Mehr dazu unter https://www.unesco.at/.
Dass die Feier in der Wagner Hütte stattfindet, komme nicht von ungefähr: Hier habe sich seit dem Bau der Eisenbahn immer eine Art „Hauptquartier“ für bäuerliche Angelegenheiten befunden, bis in die 90er Jahre wurde bei der Wagner Hütte zudem ein Viehmarkt abgehalten.
Kampf gegen Tuberkulose und Beutegreifer
Alfons Falch habe die Aufgabe des Gewalthabers mit mehr als 4.500 Hektar Grundfläche in St. Anton, Kaisers und Grins mit 16 Hirten- und Jagdhütten und mehreren Hutschaften bravourös gemeistert und sich zuletzt mit den Herausforderungen der Beutegreifer und den Problemen der Tuberkulose beschäftigen müssen. Durch seine guten Kontakte zum Land und den bäuerlichen Vertretern habe er immer rasch reagieren können, so Helmut Mall.
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Andreas Matt, Josef Hechenberger, Paul Ruetz, Alfons und Gabi Falch, Elmar Monz und Helmut Mall bei der Feier in der Wagner Hütte.
Bezirksbauernobmann Elmar Monz bedankte sich bei Alfons Falch für dessen besonderen Einsatz für die Landwirtschaft in der Region und bei den Vertretern der Zweidrittelgerichtsgemeinden, die diese jahrhundertealte Struktur aufrecht erhalten. Bei der Bekämpfung der Tuberkulose sei gerade jetzt eine gute Kooperation zwischen der Landwirtschaft und der Jägerschaft notwendig.
Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger würdigte den scheidenden Gewalthaber als hartnäckigen und zielstrebigen Funktionär, der immer das Wohl der Landwirtschaft im Fokus gehabt habe. In den Gremien habe sich Alfons Falch stets mit großem Einsatz eingebracht.
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