Rund 210 Bäuerinnen und Bauern sowie Interessierte folgten der Einladung des Tiroler Bauernbundes zum Sommergespräch am Willehof der Familie Spielmann in Mieming. Beim abschließenden Sommergespräch am Bichlhof von Margret und Gregor Eberharter in Hart im Zillertal waren rund 200 Besucher dabei. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler und LK-Präsident NR Josef Hechenberger stellten sich an beiden Abenden den Fragen der Besucher. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Dürresituation und die auf Bundesebene ausverhandelten Hilfsmaßnahmen, die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik, die langfristige Absicherung der Berglandwirtschaft und der zunehmende bürokratische Aufwand auf den Höfen.
Generationendenken am Hof
Dass diese Fragen weit über die aktuelle Situation hinausreichen und vor allem die nächste Generation betreffen, machte in Mieming Jungbauer Johann Wille deutlich. Im Namen der Familie stellte er den Willehof und dessen Entwicklung vor und gab den politischen Vertretern einen klaren Auftrag mit auf den Weg: Die Rahmenbedingungen für die heimische Berglandwirtschaft müssten so gestaltet werden, dass auch kommende Generationen ihre Höfe mit Freude und wirtschaftlicher Perspektive weiterführen können.
Wie sehr am Willehof in Generationen gedacht wird, zeigt auch eine besondere Auszeichnung: Erst am 15. August wurde der Familie Spielmann die Erbhoftafel verliehen. Sie ist sichtbares Zeichen dafür, dass der Hof über Generationen hinweg bewirtschaftet, weiterentwickelt und an die nächste Generation weitergegeben wurde. Den Abschluss der diesjährigen Sommergespräche bildete wenige Tage später der Bichlhof von Margret und Gregor Eberharter in Hart im Zillertal. Auch am im Nebenerwerb geführten Hof wurden das Generationendenken und der familiäre Zusammenhalt deutlich.
Beim Sommergespräch am Willehof: Theresa und Lukas und Barbara Spielmann, Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl, Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Ortsbauernobmann Benedikt van Staa, Martin und Johann Spielmann, LK-Präsident NR Josef Hechenberger.
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Freuten sich über rund 200 Besucher am Bichlhof: LK-Präsident NR Josef Hechenberger, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Gastgeberfamilie Gregor, Margret, Rosina, Leni und Laura Eberharter, Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl, Bezirkskammerobmann Andreas Prosch, Landesbäuerin ÖR Helga Brunschmid, Bezirksbauernobmann ÖR Hannes Partl, Bezirksbäuerin Monika Garber und Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler.
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„Wir lassen unsere Bauern nicht im Stich“
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig berichtete über die schwierigen Verhandlungen rund um das Dürrehilfepaket. Die vergangenen zwölf Monate waren laut GeoSphere Austria die trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Der direkte Schaden in der österreichischen Landwirtschaft wird mit rund einer Milliarde Euro beziffert. Mit einem Dürrehilfepaket von insgesamt 240 Millionen Euro sollen die bäuerlichen Familienbetriebe rasch entlastet und vor allem ihre Liquidität gesichert werden.
„Für uns war völlig klar, dass wir so lange verhandeln, bis wir eine tatsächliche Lösung erzielen. Wenn eine historische Dürre ganze Existenzen bedroht, braucht es rasche und wirksame Hilfe. Deshalb unterstützen wir gezielt dort, wo es jetzt am notwendigsten ist, nämlich durch Liquidität für Futter und Betriebsmittel“, betonte Totschnig. Gleichzeitig bleibe das System der Hagelversicherung eine zentrale Absicherung.
Konkret entfallen zwei Monatsbeiträge bei der Sozialversicherung. Zusätzlich sind Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite sowie Stundungsmöglichkeiten bei bestehenden Agrarinvestitions- und Konsolidierungskrediten vorgesehen. Der öffentliche Prämienzuschuss zur Dürreversicherung wird 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent angehoben.
Mehr Geld und weniger Bürokratie
LK-Präsident NR Josef Hechenberger machte deutlich, dass die Landwirtschaft angesichts steigender Anforderungen und immer größerer Herausforderungen nicht mit weniger finanziellen Mitteln auskommen könne. Gerade die anstehenden Verhandlungen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik seien deshalb entscheidend.
„Die Anforderungen an unsere Bauern werden nicht weniger, sondern ständig mehr. Deshalb kann die Antwort nicht sein, bei der Landwirtschaft zu sparen. Gerade unsere kleinstrukturierte Berglandwirtschaft kann ihre vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft nur erbringen, wenn diese Leistungen auch entsprechend abgegolten werden“, betonte Hechenberger.
Gleichzeitig brauche es praxistaugliche Rahmenbedingungen und einen konsequenten Abbau unnötiger Bürokratie. Die bäuerlichen Familien müssten wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit haben: die Bewirtschaftung ihrer Höfe, die Versorgung ihrer Tiere und die Produktion von Lebensmitteln.
„Wir müssen wissen, wo der Schuh drückt“
Für Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler sind die Sommergespräche eine wichtige Grundlage für die Interessenvertretung.
„Politische Arbeit für die Bauern kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir wissen, wo der Schuh drückt. Deshalb sind solche Abende so wichtig. Hier wird nichts beschönigt, sondern offen angesprochen, was auf unseren Höfen funktioniert und wo wir bessere Lösungen brauchen“, so Geisler. „Unser politischer Auftrag ist es, dafür zu sorgen, dass auch die nächste Generation eine echte Perspektive hat, diese Höfe mit Freude weiterzuführen. Dafür brauchen wir eine starke Gemeinsame Agrarpolitik, faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und vor allem eine starke gemeinsame Stimme für unsere Berglandwirtschaft.“
Mit den Veranstaltungen in Mieming und Hart im Zillertal gingen die diesjährigen Sommergespräche des Tiroler Bauernbundes zu Ende.
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