Ast für Ast arbeiten sich 15 Freiwillige des Bergwaldprojektes vom Alpenverein durch steile Hänge im Obernbergtal. Wo sich Grünerlen und anderes Gehölz ausgebreitet haben, schaffen sie Platz für Lärchenwiesen. Die Teilnehmenden tragen mit ihrem körperlich anspruchsvollen Einsatz dazu bei, Natur und Landwirtschaft eine jahrhundertealte Kulturlandschaft zurückzugeben.
Ursprünglich entstanden die Flächen durch die Doppelnutzung zur Holz- und Heugewinnung und galten als Sparkassen der landwirtschaftlichen Betriebe. Das nährstoffreiche Futter und das langlebige Lärchenholz waren essentiell für ihre Existenzsicherung. Doch Lärchenwiesen bieten weit mehr Vorteile, erklärt Projektleiter Klaus Auffinger. „Wenn diese Flächen zuwachsen, verlieren wir auf drei Ebenen: Es gehen unterschiedliche Lebensräume, damit geschützte Arten und die Vielfalt der Landschaft verloren.“ Daher finanziert der Alpenverein das gemeinsam mit den Tiroler Schutzgebieten organisierte Freiwilligenprojekt im Natura-2000-Gebiet „Bergmähwiesen in Obernberg am Brenner“.
Bei perfekten Bedingungen wird unermüdlich gearbeitet.
Projektleiter und Schutzgebietsbetreuer Klaus Auffinger nimmt sich immer wieder Zeit für kleine Vorträge zu Flora und Fauna.
Die umgeschnittenen Fichten werden zum Weg gezogen.
Bei Sonnenschein, bester Laune und beeindruckender Aussicht bis zur italienischen Grenze lassen die Arbeitsbedingungen keine Wünsche offen. Schon bald sind auf 2000 Höhenmetern die ersten Astscheren und Handsägen im Einsatz. Grünerlen werden zurückgeschnitten, die unteren Äste der Bäume entfernt und umgesägte Fichten von der Wiese gezogen.
Für die vielen abgeschnittenen Äste entstehen immer wieder kleine Menschenketten zum nächsten Haufen. Zwischen Sägen und Schleppen gibt es immer wieder Pausen: geteilte Jause und Vorträge über die Tier- und Pflanzenwelt und darüber, warum die Pflege dieser Flächen so wichtig ist.
Wenn Bewirtschaftung schwieriger wird
Die meisten Höfe werden heute nur noch im Nebenerwerb geführt. Zeit und Arbeitskräfte sind knapp geworden. „Zusätzlich war die regelmäßig notwendige Pflege lange mit einem rund eineinhalb Stunden dauernden Fußmarsch verbunden“, sagt Auffinger. Deshalb haben sich die Bäuerinnen und Bauern über Jahrzehnte hinweg auf ertragreichere und zugänglichere Flächen fokussiert. Heute bieten Maschinen zwar eine gewisse Unterstützung. Doch im steilen Gelände oder bei der aufwendigen Erstpflege bereits zugewachsener Flächen helfen sie nur bedingt.
Mit Sägen und Astscheren wird die Verbuschung und Verwaldung bekämpft.
Lärchenwiesen prägen die Obernberger Landschaft.
Genau hier setzt die Arbeit der Freiwilligen an. „Die bäuerlichen Familien wollen diese Flächen erhalten. Sie wissen, wie viele Generationen vor ihnen hier gearbeitet haben, und wollen nicht, dass dieses Erbe verloren geht. Aber für die aufwendige Wiederherstellung braucht es viele Hände“, erzählt Auffinger. Sind die Flächen einmal freigeschnitten, können sie anschließend wieder leichter gemäht und gepflegt werden. Was eine einzelne Person kaum bewältigen könnte, wird gemeinsam möglich. Eine Kulturlandschaft bleibt nicht allein deshalb bestehen, weil sie geschützt ist. Sie bleibt bestehen, wenn Landwirt:innen sie weiterhin pflegen und Verantwortung für sie übernehmen.
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