Waldenberger, Ehrenhuber und Aspalter

Copyright © BZ/TME

Steyr und Kirchdorf: Rinder, Schweine und Acker prägen die Region

Die beiden Bezirke Steyr und Kirchdorf, deren Betriebe unter dem gemeinsamen Dach der Bezirksbauernkammer im Holzhaus Eins vereint sind, haben ähnliche Strukturen und weisen eine große Vielfalt auf.

"Es gibt keinen Betriebszweig, den es in den beiden Bezirken nicht gibt“, betonte LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger im Rahmen der Regionalkonferenz. Während im Norden der Ackerbau – oft in Kombination mit Schweine- oder Geflügelhaltung – dominiert, ist der Süden geprägt von Grünland und Rinderbetrieben, bis hin zur Almwirtschaft.

Milchvieh: Rückgrat in der Grünlandregion

Die Bezirke Steyr und Kirchdorf zählen zu den bedeutenden Grünland- und Milchviehregionen Oberösterreichs. In Steyr liefern 270 Milchviehbetriebe durchschnittlich 180.000 Kilogramm Milch pro Jahr und Betrieb. Im Bezirk Kirchdorf sind es rund 350 Betriebe mit einer durchschnittlichen Jahresanlieferung von rund 185.000 Kilogramm.

Einer davon ist der Betrieb der Familie Hieslmayr in Grünburg, der über die Jahre stetig gewachsen ist – jedoch immer mit Bedacht: „Was ich mir nicht leisten kann, kann ich auch nicht kaufen“, betonte Karl Hieslmayr. Als langjähriges Mitglied beim Arbeitskreis kennt er seine Betriebszahlen nur zu gut. Trotz mittlerweile 65 Milchkühen wird nach wie vor per Hand gemolken – zwei Stunden in der Früh, zwei Stunden am Abend.

Zur ganzjährig hohen Arbeitsbelastung in der Milchviehhaltung kamen heuer die Folgen der Trockenheit als zusätzliche Herausforderung hinzu. In vielen Regionen konnten deutlich weniger Schnitte als üblich geerntet werden. Zahlreiche Betriebe mussten Futter zukaufen, um die Versorgung ihrer Tiere sicherzustellen. Dies führte zu erheblichen Mehrkosten und wirtschaftlichen Belastungen. „Gerade in der Milchviehhaltung geht es jetzt darum, die Betriebe in der Produktion zu halten und wirtschaftlich erzwungene Tierbestandsabstockungen zu verhindern“, betonte der BBK-Obmann von Kirchdorf Andreas Ehrenhuber. Am Hof der Familie Hieslmayr wurde ein Mittelweg gefunden – einerseits wurde Futter zugekauft, „aber nicht um jeden Preis“, wie der Betriebsführer betonte und daher andererseits auch drei Tiere verkauft.

Trotz der derzeit stabilen Entwicklung des Milchpreises bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. Steigende Kosten für Betriebsmittel, Energie, Futtermittel und Investitionen schmälern die Einkommen der Betriebe. „Ein kostendeckender Milchpreis ist die Voraussetzung dafür, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe weiterhin investieren und die regionale Versorgung mit hochwertigen Milchprodukten sicherstellen können“, betonte Regina Aspalter, BBK-Obfrau von Steyr.

Copyright © BZ/TME

Planungssicherheit für Schweinehalter

Auch die Schweinehaltung zählt weiterhin zu einer der wichtigsten Produktionssparten in den beiden Bezirken. So werden im Bezirk Kirchdorf auf 490 Betrieben rund 147.000 Schweine gehalten und im Bezirk Steyr circa 67.000 Tiere auf 445 Betrieben.

Am Hof der Familie Raindl in Waldneukirchen stehen 130 Zucht- und 350 Mastschweine. Ein Drittel der Ferkel wird direkt am Betrieb gemästet, der Rest an spezialisierte Mäster in der Region verkauft.

Aktuell hat sich die wirtschaftliche Situation vieler Schweinehalter deutlich verschärft. Die Schweinepreise sind zuletzt massiv unter Druck geraten und liegen auf einem Niveau, das zahlreiche Betriebe an ihre wirtschaftlichen Belastungsgrenzen bringt. Jungbauer Julian Raindl spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „katastrophalen Situation.“

Besonders herausfordernd ist die Situation vor dem Hintergrund notwendiger Stallumbauten auf Grund gesetzlicher Vorgaben. Familie Raindl rechnet damit bis Ende 2032, circa eine Million Euro investieren zu müssen. Der Umbau in bestehende Gebäude gestalte sich auf Grund des begrenzten Platzangebots schwierig. „Wir planen daher einen Neubau und die Aufstockung der Zuchtschweine um 20 Prozent.“ Den Schweinezyklus kennt Julian Raindl trotz seines jungen Alters bereits gut: „Im Schnitt der Jahre kann man mit der Schweinehaltung immer noch Geld verdienen“, so der motivierte Jungbauer.

Investitionen in dieser Größenordnung setzen jedoch stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ausreichende Eigenmittel und langfristige Planungssicherheit voraus. „Unsere Schweinehalter stehen zu hohen Tierwohl-, Qualitäts- und Umweltstandards und sind bereit, ihre Betriebe weiterzuentwickeln. Dafür braucht es jedoch wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und verlässliche Absatzmöglichkeiten. Wer investieren soll, muss zuerst die Chance haben, Eigenkapital aufzubauen“, betonte Aspalter.

Ehrenhuber fordert daher „faire Erzeugerpreise“, ansonsten besteht die Gefahr, dass die heimische Schweineproduktion weiter zurückgeht und Österreich zunehmend auf Importe angewiesen ist: „Das würde nicht nur regionale Wertschöpfung kosten, sondern auch Schweinefleisch aus Ländern fördern, die oftmals unter deutlich niedrigeren Produktionsstandards erzeugen“, so der Kirchdorfer Bezirksbauernkammer-Obmann.

Copyright © BZ/TME

Weitere Artikel