Kinder beim Erdäpfelsammeln am Acker.

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Schule am Bauernhof: Das Klassenzimmer Natur macht Wissen greifbar

Vom Kuhfladen zum Kreislauf der Natur: „Schule am Bauernhof“ macht Landwirtschaft für Kinder erlebbar. Das neue Angebot „Gemeinsam gesund: Mensch – Tier – Umwelt“ macht die Zusammenhänge noch deutlicher und soll Kinder und Jugendliche dazu bringen, ihr Konsumverhalten bewusst zu reflektieren.

Woher kommt unser Essen? Warum sind gesunde Tiere wichtig? Was hat das alles mit der Umwelt und der eigenen Gesundheit zu tun? Antworten auf solche Fragen finden Kinder bei „Schule am Bauernhof“ nicht nur im Schulbuch, sondern dort, wo die Zusammenhänge unmittelbar begreifbar werden: auf dem Bauernhof.

Der Bauernhof wird zum Lernort

Der Hof wird dabei zum Klassenzimmer, Stall, Wiese und Feld werden zu Lernorten. Kinder können beobachten, angreifen, ausprobieren und selbst aktiv werden. Genau darin liegt für Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich und Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), eine besondere Stärke des Angebots. Auch aus Erfahrung mit „Schule am Bauernhof“ am eigenen Betrieb weiß er: „Kinder sind sehr aufnahmefähig in diesem Alter. Es ist erstaunlich, wie viele Eindrücke sie an so einem halben Tag mitnehmen.“

Mensch, Tier und Umwelt gehören zusammen

Mit dem neuen Schwerpunkt wird die Idee um eine gesundheitliche und ökologische Perspektive erweitert. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt eng miteinander verbunden ist. Entwickelt wurde das Programm von der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) und dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) der Landwirtschaftskammer unter Einbindung der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik.

Für Peter Lehner, Obmann der SVS, geht es dabei auch um eine Entwicklung, die im Alltag vieler Kinder sichtbar wird. „Es geht der Bezug zur Natur, zu Tieren, zu Jahreszeiten und zum Klima zurück“, sagt er. Smartphone und Bildschirmzeit würden dazu beitragen, dass Kinder weniger Zeit im Freien verbringen. Das neue Angebot setze hier an und mache Naturerlebnis zu Wissensvermittlung.

Das Programm verbindet Gesundheitsförderung, Ernährungsbildung und Umweltbewusstsein. Kinder zwischen acht und 14 Jahren erfahren, wie Lebensmittel entstehen, welche Bedeutung Tiergesundheit hat und wie Landwirtschaft mit Klima, Natur und eigenen Konsumentscheidungen zusammenhängt. Das Angebot kann von Schulen ebenso genutzt werden wie von Horten, Sommerschulen und der schulischen Nachmittagsbetreuung.

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Vom Boden bis zum Teller

Wie komplex diese Zusammenhänge sein können, lässt sich auf dem Hof von Tanja Gaßner in Bad Kreuzen im Bezirk Perg erleben. Auf dem biologisch geführten Familienbetrieb „Oberfrankenberger“ leben drei Generationen. Gehalten werden neben Mutterkühen und Mastschweinen werden verschiedene Kleintiere. Die Familie betreibt außerdem die Mostschänke „Speckalm“ und einen Hofladen.

 Für Gaßner ist der Bauernhof der ideale Ort, um abstrakte Themen aus dem Unterricht greifbar zu machen. Beispiel Boden: Mit einem Apfel, der die Erde symbolisiert, zeigt Gaßner den Kindern, wie wenig Fläche tatsächlich für die Landwirtschaft zur Verfügung steht. Eine schmale Spalte bleibt übrig, davon die Schale davon ist der fruchtbare Boden. „„Mir ist besonders wichtig zu vermitteln, dass der Boden unglaublich wichtig ist und der Ursprung für alle Lebensmittel“, erklärt sie.

Um zu zeigen, dass Kühe keine „Klimaschädlinge“ sind, zeigt sie Fotos von ihnen auf der Weide. Im Fokus: Der Kuhfladen, anhand dessen sie die Kreislaufwirtschaft kindgerecht erklärt.

„Die jungen Menschen sollen erkennen, dass bewusste Entscheidungen in Bezug auf Ernährung und Einkauf einen Unterschied machen, und zwar sowohl für die eigene Gesundheit, als auch für unsere Umwelt“, fasst Gaßner zusammen, die jährlich etwa 15 bis 20 Schülergruppen empfängt.

Gesundheitskompetenz beginnt früh

Für die SVS ist „Schule am Bauernhof“ auch ein Instrument der Prävention. Ein gesunder Lebensstil werde wesentlich durch Bewegung und Ernährung geprägt, Gewohnheiten würden sich besonders früh entwickeln. „Sich etwas anzugewöhnen gelingt oft spielerisch, sich etwas abzugewöhnen ist viel schwieriger“, so Lehner. Aus gesunden Kindern werden gesunde Erwachsene, laute die zentrale Botschaft.

Großes Interesse in Oberösterreich

Dass die Idee auf großes Interesse stößt, zeigen die Zahlen: Im Schuljahr 2025/26 nahmen in Oberösterreich 1.120 Gruppen mit mehr als 18.000 Kindern und Jugendlichen an „Schule am Bauernhof“ teil. Von den derzeit 126 Schule-am-Bauernhof-Betrieben bieten bereits rund die Hälfte den neuen Schwerpunkt „Gemeinsam gesund: Mensch – Tier – Umwelt“ an. Allein im vergangenen Schuljahr nutzten mehr als 150 Gruppen mit über 2.200 Kindern und Jugendlichen dieses neue Angebot.

Für Waldenberger geht es nicht zuletzt um die Konsumenten von morgen. „Darauf, dass Kinder die Konsumenten der Zukunft sind, ist man in der Landwirtschaft schon früh eingegangen.“ Die Verbindung von Wissen und eigenem Erleben macht für Tanja Gaßner den Reiz von Schule am Bauernhof aus. „Die besten Lernerfahrungen entstehen dort, wo man selbst aktiv werden darf“, sagt Gaßner.

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Information und Termine

Für das Schuljahr 2026/27 können bereits Termine für Lehrausgänge vereinbart werden. Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter www.schuleambauernhof.at/gemeinsam-gesund-mensch-tier-und-umwelt

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Peter Lehner (l.), Tanja Gaßner und Franz Waldenberger.

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