Bereits der Almauftrieb ist heuer aufgrund der Trockenheit und der kühlen Witterung etwas später als üblich erfolgt. Doch schon kurz nach dem Start hat sich die Situation auf vielen oberösterreichischen Almen weiter deutlich verschärft. Anhaltende Trockenheit und ein erhebliches Niederschlagsdefizit lassen die Wasservorräte schwinden. Besonders die Versorgung der Weidetiere mit Wasser wird vielerorts zur zentralen Herausforderung.
Vorzeitiger Almabtrieb?
Bereits Winter und Frühjahr brachten deutlich weniger Niederschläge als üblich. Die fehlenden Wasserreserven im Boden konnten bislang nicht aufgefüllt werden. Wo es die Infrastruktur zulässt, wird Wasser inzwischen aufwendig vom Tal auf die Alm transportiert. Auf höher gelegenen und schwer erreichbaren Almen ist das jedoch oft nur eingeschränkt möglich.
„Jeder Tropfen Regen zählt. Ohne nachhaltige Wetterumstellung kann die Situation rasch kritisch werden“, warnt LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger. Sollte die Trockenheit anhalten, könnten in Einzelfällen sogar vorzeitige Almabtriebe notwendig werden. Ein späterer Wiederauftrieb wäre laut Waldenberger zwar möglich, würde für die Betriebe aber erheblichen organisatorischen und wirtschaftlichen Mehraufwand bedeuten.
Trockenheit auch im Tal
Die Trockenheit macht sich aber auch in den Tallagen massiv bemerkbar. Der erste Schnitt fiel in vielen Regionen schon deutlich unterdurchschnittlich aus, auch die Folgeaufwüchse blieben vielfach hinter den Erwartungen zurück. Damit gewinnt das Futter auf den Almen heuer zusätzlich an Bedeutung. Gleichzeitig verfügen viele oberösterreichische Almen langfristig über Potenzial für zusätzliche Weidetiere. Die Almberatung der Landwirtschaftskammer unterstützt Betriebe bei der Vermittlung freier Weideplätze.
Leistungen fair abgelten
Neben den akuten Problemen rücken auch die langfristigen Folgen des Klimawandels stärker in den Fokus. Höhere Temperaturen erhöhen die Verdunstung, während Niederschläge unregelmäßiger werden. Längere Trockenphasen, Starkregenereignisse und schneearme Winter stellen die Almwirtschaft zunehmend vor neue Herausforderungen. Eine nachhaltige Beweidung kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Durch die Trittwirkung des Viehs verbessert sich die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, Niederschläge versickern besser und bleiben länger in der Fläche gespeichert. Gleichzeitig tragen gepflegte Almflächen dazu bei, Erosion und andere Naturgefahren zu verringern.
Waldenberger unterstreicht die Bedeutung der Almwirtschaft weit über die Futterversorgung hinaus: „Die Almen leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und der regionalen Landwirtschaft.“ Deshalb brauche es auch künftig verlässliche politische Rahmenbedingungen und ein starkes Agrarbudget, um die Leistungen der Almbäuerinnen und Almbauern fair abzugelten.
Auch Johann Feßl, Obmann des Vereins Alm und Weide in Oberösterreich, verweist auf den Einsatz der Bewirtschafter: „Wer auf der Alm arbeitet, braucht Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und Einsatzbereitschaft.“ Hinter der einzigartigen Kulturlandschaft stünden Menschen, „die oft unter einfachen Bedingungen und mit hohem persönlichem Engagement arbeiten“, so der Almobmann.
Daten und Fakten
2025 haben 570 oberösterrei-chische Betriebe insgesamt 3.556 Großvieheinheiten (GVE) aufgetrieben. Gegenüber dem Jahr davor entspricht dies einem Rückgang um 114 Auftreiberbetriebe und 130 GVE.
Die UNO hebt heuer mit dem „Internationalen Jahr der Weidewirtschaft und der Hirten“ die Leistungen der Almwirtschaft und des Almpersonals hervor.
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