Die Qualität stimmt, wirtschaftlich ist die Ernte 2026 für viele Ackerbaubetriebe dennoch eine Enttäuschung. Nach einem der trockensten Frühjahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen blieben die Erträge vielerorts deutlich hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig verharren die Getreidepreise auf einem Niveau, das die Produktionskosten oft nicht mehr deckt. Die LK Burgenland zieht deshalb eine ernüchternde Bilanz. „Unterm Strich kann man sagen, dass sich der Ackerbau am Limit befindet. Die Ackerbäuerinnen und Ackerbauern kämpfen um ihre Existenzen und brauchen Unterstützung“, bringt LK-Präsident Nikolaus Berlakovich die Situation auf den Punkt.
Die Ernte ist im Großteil des Burgenlandes bereits abgeschlossen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Erträge je nach Standort um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen, regional ist das Defizit noch größer. Besonders betroffen sind Standorte mit leichten, sandigen Böden, auf denen die Trockenheit früh ihre Spuren hinterlassen hat.
Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren
Die Getreideernte begann heuer bereits am 9. Juni, so früh wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Nur im Jahr 2007 startete die Ernte einen Tag früher. Während die Wintergerste noch zufriedenstellende Erträge und Qualitäten brachte, zeigt sich bei Winterweizen und anderen Getreidearten ein deutlich anderes Bild.
Nach aktuellen Schätzungen werden im Burgenland rund 246.000 Tonnen Getreide geerntet. Das entspricht einem Minus von knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zählt zu den schwächeren Ergebnissen der vergangenen Jahre. Verantwortlich dafür ist vor allem die außergewöhnliche Witterung. Bereits der Winter verlief trocken, von Jänner bis April fehlte vielerorts der dringend benötigte Niederschlag. Der Frühling 2026 war österreichweit sogar der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Burgenland lagen die Niederschlagsmengen im April je nach Region um bis zu 85 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Niederschläge im Mai und Anfang Juni konnten die Situation zwar kurzfristig entschärfen, den Wassermangel aber nicht ausgleichen.
Unterm Strich: Der Ackerbau befindet sich am Limit.
Nikolaus Berlakovich
LK-Präsident
„Bei etwas durchlässigeren, sandigeren Böden ist das Wasser bereits früher ausgegangen. Dort waren sehr dünne Getreidebestände mit wenig Ähren je Quadratmeter festzustellen“, schilderte Berlakovich. Gleichzeitig führe die Trockenheit zu unzureichend gefüllten Körnern und damit zu Qualitätsverlusten durch sogenannte Schmachtkörner.
Hinzu kamen außergewöhnlich viele Hitzetage im Juni. Selbst in den Nächten kühlte es kaum mehr ab. Für Mais, Sojabohnen, Sonnenblumen und Zuckerrüben bleibt die weitere Entwicklung deshalb stark vom Niederschlag der kommenden Wochen abhängig. Auch bei den Anbauflächen zeigten sich Verschiebungen. Insgesamt wurden im Burgenland in der auslaufenden Saison rund 56.140 Hektar Getreide angebaut, das sind 2,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Zulegen konnten Winterroggen, Körnermais und Ölsaaten wie Sonnenblume und Winterraps. Deutlich zurück gingen dagegen Winterweizen, Sommergetreide, Eiweißpflanzen sowie die Zuckerrübe, deren Anbaufläche auf einen historischen Tiefstand gesunken ist.
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V. l.: Nikolaus Berlakovich, Werner Falb-Meixner und Maria Portschy
Trotz eines Rückgangs bleibt die Sojabohne mit rund 24.150 Hektar die zweitwichtigste Ackerkultur des Landes. Noch schwerer als die geringeren Erträge wiegt für viele Betriebe allerdings die wirtschaftliche Situation. Seit 2024 befinden sich die Getreidepreise auf niedrigem Niveau, gleichzeitig bleiben Betriebsmittel, Maschinen und Lohnkosten hoch. Dadurch entstehen auf zahlreichen Flächen Defizite.
„Aufgrund der geringen Getreideernte sind die Produktionskosten viel höher als die Erlöse. Damit haben die Bauern ein Defizit pro Hektar – und das mittlerweile schon seit einigen Jahren“, warnte Berlakovich. Sollten keine wirk-
samen Maßnahmen gesetzt werden, drohe ein weiterer Rückgang der Ackerbaubetriebe. Langfristig stehe damit auch die heimische Versorgungssicherheit auf dem Spiel.
Forderungen an Brüssel
Vor diesem Hintergrund richtet die Landwirtschaft ihren Blick zunehmend auf die Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU ab 2028. Die LK fordert eine eigenständige Finanzierung der GAP, eine Inflationsanpassung der Mittel sowie einen deutlichen Bürokratieabbau.
„Wir brauchen eine starke, zukunftsweisende und ausreichend finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik. Österreichs Landwirtschaft braucht Stabilität und Planungssicherheit – keine politischen Experimente auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern“, betonte Berlakovich.
Kritik kommt außerdem aus dem Bereich Pflanzenschutz. Der Verlust zahlreicher Wirkstoffe erschwere den Betrieben zunehmend die Produktion. Gleichzeitig nehme der Schädlingsdruck infolge des Klimawandels weiter zu. Aus Sicht der Landwirtschaft brauche es daher rasch praktikable Lösungen, um Erträge und Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.
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