Während die Saison 2024 aufgrund der Starkregenereignisse herausfordernd war, hat in der vergangenen Saison die Trockenheit geplagt. Viele Bestände wurden geschwächt und die Erträge reduziert. Krankheiten kamen nur wenig vor – Ährenfusarium etwa war überhaupt kein Thema – und wenn, dann waren die Schäden meist überschaubar. Letztendlich fielen die Erntemengen in manchen Regionen sehr niedrig aus, gleichzeitig wurden auf Böden mit guter Speicherfähigkeit und Wasserversorgung auch durchschnittliche Erträge erreicht. Da das Wasserdefizit noch bei Weitem nicht kompensiert wurde, muss für den Herbstanbau darauf geachtet werden, die Bodenbearbeitung wasserschonend durchzuführen.
Obwohl die Wetterbedingungen der nächsten Saison nicht vorhersehbar sind, kann man sich mit der Sortenwahl auf einiges vorbereiten. Im Falle von heißen oder trockenen Bedingungen fällt die Wahl auf frühreife Sorten. Die frühere Entwicklung kann die Winterfeuchte besser ausnutzen und spätere Hitzewellen und anhaltende Trockenheit haben weniger Einfluss. In Jahren mit besserer Wasserversorgung ist der Krankheitsdruck eher der Hauptstressfaktor. Standortabhängig sollten die regional relevantesten Krankheitstoleranzen berücksichtigt werden. Bei feuchter Erntewitterung gewinnt zudem eine geringere Auswuchsneigung für die Sicherung des Ertragspotenzials an Bedeutung. Ein Maß für die allgemeine Stresstoleranz der Sorten ist die Ertragsstabilität, die als der Anteil der Ertragsschwankungen, die der Sorte zugeschrieben werden, gemessen wird. Sorten mit einer hohen Ertragsstabilität werden also in trockenen oder krankheitsgeplagten Jahren weniger Ertragseinbußen zeigen. Alle diese Faktoren, die Ertragserwartung und Qualitätsanforderungen sowie Standorteinflüsse bilden die Grundlage für die Sortenwahl.
Alle in Österreich zugelassenen Sorten und Eigenschaften sind in der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste (bsl.baes.gv.at) gelistet.
Weizensorten für das Trockengebiet
Tavian ist eine neue Qualitätsweizensorte, die auch für die Frühjahrsaussaat geeignet ist. Hohe Proteinqualität und überdurchschnittliche Hektolitergewichte sorgen für eine sichere Vermarktung. Gute Standfestigkeit und eine ausgewogene Blattgesundheit runden das Profil ab.
Zu den bewährten Sorten für trockene Standorte zählt Axaro. Sein sehr frühes Ährenschieben kann helfen, Hitze- und Trockenstress teilweise zu entgehen. Die Sorte überzeugt mit hohen Hektolitergewichten, benötigt für höhere Proteingehalte jedoch eine gezielte N-Spätgabe. Aufgrund der erhöhten Fusariumanfälligkeit eignet sie sich besonders für trockene Standorte.
Aronio verbindet mittelfrühes Ährenschieben mit solidem Ertragspotenzial. Die Sorte sollte hinsichtlich Gelbrost beobachtet werden, zudem ist ihre erhöhte Auswuchsneigung bei verzögerter Ernte zu beachten. Die Proteingehalte liegen auf einem ähnlichen Niveau wie bei Axaro.
Monaco hat sich auf leichten wie auch auf tiefgründigen Böden bewährt. Gute Standfestigkeit, geringe Auswuchsneigung und sehr hohe Hektolitergewichte zählen zu den wichtigsten Stärken. Bei Rostauftreten sollte rechtzeitig reagiert werden.
Aurelius überzeugt durch hohe Standfestigkeit, hohe Hektolitergewichte, gute Proteinqualität und stabile Fallzahlen. Gelbrost und andere Blattkrankheiten verursachen meist geringe Schäden. Bei feuchten Bedingungen zur Blüte ist wegen der höheren Fusariumanfälligkeit auf die Ährengesundheit zu achten.
Die große Stärke von Mandarin ist seine Frühreife. Als eine der frühesten österreichischen Qualitätsweizensorten eignet er sich besonders für trockene und heiße Standorte. Gegen Rostkrankheiten zeigt er gute Toleranzen, ist jedoch anfälliger für DTR-Blattdürre.
Arameus überzeugt durch hohe Proteinqualität und -gehalte. Im Pannonikum liefert er zudem stabile Erträge. Gegen Gelbrost zeigt die Sorte eine gute Widerstandsfähigkeit, während bei einzelnen Blattkrankheiten leichte Schwächen zu beachten sind.
Langjährige Versuchsergebnisse bestätigen die hohe Ertragsstabilität von Christoph im Pannonikum. Die Sorte überzeugt durch gute Standfestigkeit und Auswuchsstabilität. Gelbrost schädigt ihn selten, während Septoria tritici, DTR-Blattdürre und Ährenfusarium stärker beachtet werden sollten. Sein Potenzial entfaltet der spätreife Bernstein besonders auf tiefgründigen, gut wasserversorgten Böden. Trotz seines längeren Wuchses ist er gut standfest. Gegen Braunrost ist häufig ein gezielter Pflanzenschutz erforderlich, während Gelbrost meist keine Rolle spielt.
Capo bleibt aufgrund seiner bewährten Anbau- und Qualitätseigenschaften auf vielen Betrieben gefragt. Die Gelbrostresistenz hat in den vergangenen Jahren jedoch nachgelassen, weshalb Bestände entsprechend kontrolliert werden sollten.
Die sehr hohen Proteingehalte von Arnold bieten eine hohe Vermarktungssicherheit. Auch das Hektolitergewicht liegt auf sehr hohem Niveau. Die Erträge sind eher niedrig, dafür aber langjährig sehr stabil.
Energo wird für seine ausgewogene Qualität und gute Blattgesundheit geschätzt. Die Sorte gilt als robust und anpassungsfähig. Lediglich bei stärkerem Braunrostbefall kann eine gezielte Pflanzenschutzmaßnahme notwendig werden.
Mahlweizen können im trockeneren Osten auch gute Ergebnisse bringen. Die Mehrerträge liegen bei circa 7 Prozent und im Proteingehalt sind sie den Qualitätssorten etwa einen Prozentpunkt unterlegen. Die Neuzulassung Matthias und SU Habanero zeichnen sich ertraglich im Trockengebiet aus. Beide punkten dabei mit guter Blatt- und Ährengesundheit. Matthias zeigt außerdem gute Proteinwerte, wie auch Tillsano.
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Weizensorten für das Feuchtgebiet
Hoku zählt zu den ertragsstarken Neuzulassungen im Feuchtgebiet. Die mittelreifende, kurzhalmige Sorte ist gegen Gelbrost resistent und wenig lageranfällig. Gute Proteingehalte unterstützen die Vermarktung. Bei verzögerter Ernte ist auf die erhöhte Auswuchsneigung zu achten.
Big Ben bietet als spätreife Neuzulassung ein sehr hohes Ertragspotenzial. Die Sorte ist gut standfest und weist insgesamt eine ausgewogene Krankheitsabwehr auf. Die Proteingehalte bleiben allerdings auf einem niedrigen Niveau.
Ambientus überzeugt mit sehr hohen Erträgen und einer hohen Stickstoffeffizienz. Kurzer Wuchs, geringe Lagerneigung und eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Gelb- und Braunrost zählen zu den wichtigsten Stärken. Auch die Proteingehalte liegen auf ansprechendem Niveau.
Ernestus verbindet hohe bis sehr hohe Erträge mit guten Proteingehalten und hohen Hektolitergewichten. Gegen Gelbrost zeigt die Sorte eine gute Widerstandsfähigkeit. Bei Auftreten von Braunrost und Septoria sowie bei Niederschlägen zur Ernte sollten die Bestände aufmerksam beobachtet werden.
Die spätreifende Neuzulassung Epollon zeichnet sich durch gute Standfestigkeit und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Gelbrost und Ährenfusarium aus. Besonders im Alpenvorland und im Waldviertel kann die Sorte ihre Stärken ausspielen. Braunrost verdient dabei erhöhte Aufmerksamkeit.
California kombiniert kurzen Wuchs mit geringer Lagerneigung und mittlerer bis später Reife. Die Sorte zeigt eine insgesamt ausgeglichene Blattgesundheit. Die Proteingehalte bewegen sich im Durchschnitt des Mahlweizensegments.
Die große Stärke von Thalamus ist seine ausgeprägte Standfestigkeit bei sehr kurzem Wuchs. Die spätreife Sorte erzielt besonders im Waldviertel sehr hohe Erträge. Die Krankheitsanfälligkeit bleibt insgesamt auf einem moderaten Niveau.
Tiberius liefert vor allem im Alpenvorland sowie in der Steiermark und im Südburgenland hohe Erträge. Hohe Hektolitergewichte und ansprechende Proteingehalte ergänzen das Profil. Bei Braunrost sollte die Bestandesentwicklung regelmäßig kontrolliert werden.
Spontan überzeugt durch hohe Standfestigkeit und eine insgesamt gute Gesundheit. Mittlere Erträge werden mit durchschnittlichen Hektolitergewichten und Proteingehalten kombiniert. Aufgrund der erhöhten Auswuchsanfälligkeit empfiehlt sich bei Niederschlägen zur Ernte ein rascher Drusch.
Der Futterweizen RGT Konzert beeindruckt durch geringere Ährenfusariumanfälligkeit, was angesichts der seit 2024 strengeren Mykotoxin-Grenzwerte besonders relevant ist. Die spätreife Sorte ist standfest, gegen Gelbrost resistent und nur wenig anfällig für Braunrost. Die Rohproteingehalte liegen im niedrigen bis mittleren Bereich.
LG Mondial vereint hohe Halmstabilität mit guter Blattgesundheit. Braunrost verursacht meist geringe Schäden, Gelbrost etwas stärkere. Die spätreife Sorte zeigt mittlere Fusariumanfälligkeit und Rohproteingehalte, die rund einen Prozentpunkt unter RGT Konzert und Ethan liegen und damit einen niedrigeren Futterwert ergeben.
Ethan weist eine geringe Gelbrost-, jedoch eine höhere Braunrostanfälligkeit auf. Die mittel bis hohe Fusariumanfälligkeit ist zu beachten. Beim Hektolitergewicht bleibt die Sorte hinter LG Mondial und RGT Konzert zurück. Der für einen Futterweizen gut passende Rohproteingehalt liegt auf dem Niveau von RGT Konzert.
Weiters stehen unter anderem die EU-Sorten Chevignon und RGT Reform für den Anbau zur Verfügung.
In den Feucht- und Übergangslagen dominieren Mahl- und Futterweizen, Qualitätsweizen kann unter geeigneten Bedingungen jedoch ebenfalls erfolgreich angebaut werden. Dessen Erträge liegen meist 5 bis 10 Prozent unter jenen von Mahlweizen, dafür sind Proteinmenge und -qualität deutlich höher. Um Proteingehalte über 14 Prozent zu erreichen, kann eine angepasste Düngungsstrategie erforderlich sein.
Bernstein – Backqualitätsgruppe (BQG) 8 – bietet die höchste Proteinqualität, bleibt ertraglich jedoch etwas zurück. Die BQG-7-Sorten Aurelius und Monaco sind beim Ertrag konkurrenzfähiger.
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Verfügbarkeit der Biosorten
Die aktuelle Verfügbarkeit von Biosaatgut kann in der Online-Biosaatgutdatenbank der AGES abgerufen werden. Für die biologische Qualitätsweizenproduktion stehen derzeit Adamus, Arminius, Arnold, Aurelius, Axaro, Capo, Christoph, Edelmann, Ehogold, Ekonom, Energo, Mandarin, Tobias sowie die EU-Sorte Aristaro zur Verfügung. Im Mahlweizensegment werden Ernestus, SU Habanero, Thalamus, Tillsano und die EU-Sorte Chevignon angeboten. Aristaro, Axaro und Tillsano verfügen über eine Resistenz gegen ausgewählte Steinbrandrassen.
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