Es ist Vormittag im Milchviehstall der Familie Grabmayr in Prambachkirchen. Die Kühe liegen entspannt in ihren Boxen, andere ziehen gemächlich ihre Runden durch den Laufstall. Nichts deutet darauf hin, dass hier im Hintergrund rund um die Uhr modernste Technik läuft.
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Keine fixen Stallzeiten mehr
Eine Holsteinkuh setzt sich in Bewegung. Zielstrebig geht sie auf eine schmale Box am Ende des Stalls zu. Niemand treibt sie an, niemand wartet auf sie. Die Entscheidung hat sie selbst getroffen. Der Melkroboter erkennt das Tier, ein Bildschirm ruft seine Daten auf, wenige Augenblicke später beginnt der Melkvorgang. Während die Kuh ruhig ihr Kraftfutter frisst, erledigt der Roboterarm präzise die Melkarbeit. Auf dem Milchviehbetrieb von Stefan Grabmayr in Prambachkirchen ist das Alltag. Hier wird nicht mehr zu festen Uhrzeiten gemolken. Die Kühe kommen dann zum Roboter, wenn es ihrem natürlichen Rhythmus entspricht. „Zurück möchten wir nie wieder“, sagt Karl Grabmayr und blickt auf die Anlage, die seit mittlerweile 16 Jahren ihren Dienst verrichtet. Die Familie gehörte in der Gegend zu den ersten, die den Schritt in die Automatisierung wagten – mit damals 23 Milchkühen. Viele Standeskollegen waren skeptisch. „Lohnt sich das?“ sei die am häufigsten gestellte Frage gewesen, erinnert sich Grabmayr. Er vergleicht die damalige 150.000-Euro-Investition gerne mit einem Mähdrescher, mit dem Unterschied, dass der Melkroboter jeden Tag läuft. Heute fällt die Antwort eindeutig aus. „Es war eine der teuersten Anschaffungen am Betrieb, aber auch die beste.“
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Mittlerweile umfasst die Herde rund 52 Milchkühe der Rassen Braunvieh und Holstein. Im Jahr 2018 entschied Grabmayr sich – gemeinsam mit Sohn Stefan als künftigen Betriebsübernehmer – einen neuen Laufstall zu errichten. Großzügige Liegeflächen, viel Bewegungsfreiheit und moderne Technik prägen das Bild. Neben dem Melkroboter ist inzwischen auch ein Futterroboter im Einsatz, der mehrmals täglich das Futter nachschiebt. Doch wer glaubt, dass Robotik weniger Arbeit bedeutet, liegt nur teilweise richtig. „Die körperliche Arbeit wird weniger, dafür nimmt die Managementarbeit zu“, sagt LK-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger. Moderne Milchviehbetriebe generieren täglich eine Fülle an Daten, die ausgewertet und richtig interpretiert werden müssen.
Milchleistungsprüfung am Melkroboterbetrieb
Wie das funktioniert, zeigt sich an diesem Tag, an dem Fabian Doblmayr, ein Mitarbeiter des Landesverbandes für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung (LfL) Oberösterreich, gerade an einem sogenannten „Shuttle“ hantiert. Dabei handelt es sich um eine Box mit Dutzenden kleinen Probefläschchen, die am Melkroboter angehängt wird. Jede Kuh, die in den kommenden Stunden zum Melken kommt, hinterlässt darin automatisch eine Milchprobe. „Das System erledigt die Probennahme selbstständig“, erklärt Doblmayr. „Wir können dadurch jede Probe exakt einem Tier zuordnen.“
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Die Ergebnisse, die aus der Untersuchung gewonnen werden, verraten weit mehr als die reine Milchmenge. Sie geben Hinweise auf die Eutergesundheit, helfen bei Zuchtentscheidungen und ermöglichen eine gezielte Weiterentwicklung der Herde. Erkrankungen können oft erkannt werden, bevor sie für den Landwirt sichtbar werden. „Verlässliche Daten sind das Rückgrat der Rinderzucht“, sagt LfL-Obmann Thomas Hartl. Gerade in Betrieben mit Melkrobotern ergänzten sich die Informationen aus der Technik und die Ergebnisse der Leistungsprüfung ideal.
Mehr als 2.100 Betriebe setzen bereits auf Robotik
Die Entwicklung verläuft rasant. Oberösterreich gilt mittlerweile als Hochburg der automatisierten Milchproduktion, wo bereits mehr als 960 Betriebe auf Melkroboter setzen. Österreichweit sind es 2.144 Betriebe, die mit zumindest einem Melkroboter (Stand per 31.12.2024) arbeiten. Der Erfolg der Systeme hat mehrere Gründe. Vor allem die Arbeitsorganisation spielt für viele Familienbetriebe eine entscheidende Rolle. Das tägliche Leben richtet sich nicht mehr ausschließlich nach den starren Melkzeiten am frühen Morgen und am Abend. Genau das war auch für Familie Grabmayr ausschlaggebend.
Über viele Jahre erzeugte und lieferte der Betrieb Schulmilch. Entsprechend „dicht“ waren die Aufgaben und Pflichten am Hof immer in der Früh. Der Melkroboter brachte neue Freiräume und erleichterte die Organisation erheblich.
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Aus der Schulmilchproduktion hat sich Familie Grabmayr mittlerweile zurückgezogen, sie beliefert nun Krankenhäuser in Wels und Grieskirchen, Alten- und Pflegeheime sowie einige Bauernläden und zwei Jausenstationen in der näheren Umgebung.
Direktvermarktung und Wissensvermittlung
Auch direkt am Hof kann Milch und Käse gekauft werden. „Uns ist wichtig, nicht nur einen Liter Milch zu verkaufen, sondern auch die Entstehung dahinter offenzulegen“, betont Stefan Grabmayr. Interessierten Konsumenten würden die Türen zum Stall stets offen stehen. „Viele wissen ja gar nicht mehr, wie heutzutage in der Landwirtschaft gearbeitet wird“, so Grabmayr. Inzwischen verlässt wieder eine Kuh den Melkroboter, während die nächste schon geduldig vor dem Eingang wartet. Ruhig geht es dabei zu – und ebenso fast unbemerkt hat sich auch die Milchproduktion im Land verändert. Die Technik arbeitet im Hintergrund, nimmt den Menschen aber natürlich nicht alles ab. „Technik kann unterstützen, aber sie ersetzt nicht die Tierbeobachtung“, weiß der Landwirt. Verantwortung, Erfahrung und der Blick fürs Tier bleiben auch in Zukunft Aufgabe des Menschen.
Franz Waldenberger, Karl Grabmayr, Thomas Hartl, Stefan Grabmayr.
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Florian Doblmayr vom LfL mit dem "Shuttle" am Melkroboter
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Joghurt und Käse im Kühlschrank am Hof der Familie Grabmayr.
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Milchviehbetrieb und Direktvermarktung
Am Betrieb Grabmayr wohnen die Betriebsführer Regina und Karl Grabmayr sowie Sohn Stefan (28) mit Agnes (29) und dem gemeinsamen Sohn Johannes (2). Der Betrieb hat sich auf Milchviehhaltung und Direktvermarktung von pasteurisierter Milch, Joghurt und Käse spezialisiert. Bewirtschaftet werden insgesamt 48 ha Nutzfläche (inkl. 26 ha Pachtfläche) – davon 29 ha Acker, 16 ha Grünland und 3 ha Wald. 2018 wurde der Laufstall für 52 Milchkühe in Betrieb genommen, mit 46 Tiefbuchten und einem „Special-Needs-Bereich“ für sechs Tiere. Entmistet wird mit zwei Pendelschiebern, gefüttert wird eine Mischration mit überwiegend eigenen Komponenten. Melken und Futteranschieben wird von Robotern erledigt. Der alte Laufstall findet für das Jungvieh Verwendung. 60 Kalbinnen und weibliche Kälber sind es im Schnitt, männliche Kälber werden als Milchmastkalb regional vermarktet.
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