Wer in den vergangenen Wochen auf dem Hof, im Stall oder bei der Feldarbeit weniger Gelsenstiche verspürt hat, täuscht sich nicht. Laut Gelsenmonitoring sind zwar nach wie vor rund 90 Prozent aller heimischen Stechmücken Hausgelsen, denn ihre Zahl geht jedoch seit 2020 kontinuierlich zurück. Für Bäuerinnen und Bauern, die viel Zeit im Freien verbringen, ist das zunächst eine gute Nachricht. Ganz sorgenfrei ist die Entwicklung aber nicht, denn während die Hausgelse schwächelt, gewinnen andere Insektenarten an Boden. Für den Rückgang der Hausgelse sind Medienberichten zufolge gleich mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen macht der heiße, trockene Sommer der Art zu schaffen, die auf feuchte Bedingungen angewiesen ist. Zum anderen spielen die zunehmenden Temperaturschwankungen im Winter eine Rolle. Hausgelsen bräuchten jährlich viel Niederschlag und Wärme für ihre Entwicklung - wird es jedoch bereits im zeitigen Frühjahr sehr warm, werden die Tiere aktiv, und ihre Brut geht bei der nächsten Kälteperiode häufig zugrunde. Wie in vielen Bereichen der Tierwelt gerate damit auch bei den Gelsen der gewohnte Jahresrhythmus durcheinander.
Tigermücke und Buschmücke: Zuwanderer im Aufwind
Während die heimische Hausgelse schwächelt, breiten sich eingeschleppte Arten weiter aus. Dazu zählen vor allem die Asiatische Tigermücke und die Buschmücke, die auch gefährliche Krankheiten übertragen können. Ein wichtiger Unterschied zur Hausgelse: Diese ist vor allem in der Dämmerung aktiv, Tigermücken hingegen stechen auch tagsüber. Die Tigermücke ist ein ursprünglich tropisches Tier, dem es umso besser gefällt, je wärmer es ist. Die schlechte Nachricht: sie werde sich laut Insektenforscher wahrscheinlich hierzulande dauerhaft festsetzen, ähnlich wie es die japanische Buschmücke bereits getan habe. Für den Arbeitsalltag im Freien bedeutet das: Schutz vor Stichen ist künftig nicht mehr nur in den Abendstunden gefragt, sondern über den ganzen Tag verteilt.
Bremsen profitieren besonders von der Hitze
Noch deutlicher zeigt sich der Wandel bei den Bremsen. Sie kommen mit Hitze wesentlich besser zurecht als Gelsen, so Wieser: Je wärmer und schwüler es sei, desto aggressiver würden die Tiere tagsüber auftreten. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich ihre Entwicklungsstadien im Winter im Boden befinden und von den Temperaturschwankungen an der Oberfläche kaum betroffen sind. Für Weidetiere und für Menschen, die bei der Feld- oder Almarbeit im Freien sind, dürften Bremsen damit heuer ein größeres Thema sein als in den Vorjahren.
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