Vier-Länder-Treffen: Forderungen für bessere Finanzierung und Absicherung für Bäuerinnen

Anlässlich des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 kamen die deutschsprachigen Bäuerinnen-Vertreterinnen zum jährlichen Vier-Länder-Treffen in Hamburg zusammen.

1. Reihe von li. nach re: die Präsidentinnen/Vorsitzenden - Anne Challandes (CH), Petra Bentkämper (D), Antonia Egger (Südtirol) und Irene Neumann-Hartberger (Ö) 2. Reihe von li nach re die Geschäftsführerinnen Kathrin Bieri (CH), Daniela Ruhe (D), Silke Mock   (Südtirol) und Michaela Glatzl (Ö)

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Finanzielle Unabhängigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für die Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft. Darin sind sich die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der deutschsprachigen Bäuerinnen- und LandFrauenorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol einig. Das waren somit auch die zentralen Themen beim diesjährigen Vier-Länder-Treffen in Hamburg (D). Frauen tragen in landwirtschaftlichen Betrieben Verantwortung als Unternehmerinnen, Mitunternehmerinnen und Mitverantwortliche für betriebliche Entscheidungen. Dennoch spiegeln Eigentumsverhältnisse, Vermögensaufbau, Altersvorsorge sowie der Zugang zu Finanzierung und Fördermitteln ihre Leistungen häufig nicht ausreichend wider.

„Es ist bewiesen, dass frauengeführte Unternehmen branchenübergreifend risikoärmer und verlässlicher bei der Rückzahlung von Krediten sind als männlich geführte Unternehmen. Zugleich schneiden sie bei Umwelt, Sozialem und Governance besser ab und investieren stärker in die Weiterqualifizierung ihrer Beschäftigten“, betont Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. „Es wird Zeit, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen.“

Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der vier Verbände fordern daher:

  • Kreditvergabe und Förderinstrumente geschlechtergerecht auszugestalten, strukturelle Hürden beim Zugang von Frauen zu Finanzierung abzubauen und die nachweislich stärkere Nachhaltigkeits-, Risiko- und Rückzahlungsbilanz frauengeführter Unternehmen als Vorteil bei Finanzierungsentscheidungen anzuerkennen. Strukturelle Hürden können beispielsweise sein: geringere Betriebsgröße, fehlende Sicherheiten oder fehlender Betriebsleiterinnenstatus.

  • Bildungs-, Beratungs-, Coaching- und Netzwerkangebote auszubauen, um Finanzwissen zu stärken und Frauen bei Finanzierung, Betriebsübernahme, Gründung und Investitionen gezielt zu unterstützen.

  • Agrarförderung geschlechtergerecht einzusetzen, bestehende Zugangshürden abzubauen und spezifische Förderprogramme für Frauen auszubauen.

  • Die eigenständige finanzielle und soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft zu stärken und Instrumente zu schaffen, die insbesondere mitarbeitende Frauen verbindlich absichern. Die Schweiz zeigt mit der Verknüpfung von Direktzahlungen und dem Nachweis eines Versicherungsschutzes mitarbeitender Partner*innen, wie Agrarpolitik hierfür gezielt Anreize setzen kann.

Austausch mit Staatsrätin für Umwelt, Energie und Agrarwirtschaft Stefanie von Berg

Austausch mit Staatsrätin für Umwelt_Energie_Agrarwirtschaft_Stefanie von Berg

Austausch zu Frauen und Finanzen

Austausch zu Frauen und Finanzen

Österreichs Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger betont hier vor allem: „Es braucht eine grundsätzliche Bewusstseinsbildung zum Thema Absicherung und Finanzen. Spezielle Förderprogramme für Bäuerinnenprojekte und gezielte Finanzinstrumente würden die Umsetzung innovativer betrieblicher Ideen deutlich erleichtern und die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen stärken.“ Dem schließt sich auch Südtirols Landesbäuerin Antonia Egger an: „Frauen bringen Eigenmittel und Leistungen in die Betriebe ein, auch das muss in der Finanzbildung aufgegriffen und die Frauen sensibilisiert werden, diese Einbringung abzusichern.“

Die vier Verbände vertreten gemeinsam rund 646.000 Bäuerinnen und LandFrauen. Das jährliche Vier-Länder-Treffen dient dem Wissens- und Erfahrungsaustausch zu agrar-, gesellschafts- und frauenpolitischen Fragestellungen sowie der Entwicklung gemeinsamer Positionen über Ländergrenzen hinweg.

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