Nach der deutlichen Erholung der vergangenen Wochen hat sich der Rapssaatmarkt wieder oberhalb der Marke von 550 Euro pro Tonne (€/t) etabliert. Der November-Termin an der Euronext in Paris beendete den Handel am 4. September bei rund 551 €/t und liegt damit deutlich über den Kursen von Anfang August. Inzwischen rückt zunehmend die tatsächliche Versorgungssituation der EU und der Preise für Importe in den Vordergrund.
Gegenüber der vorherigen Schätzung wurde die europäische Rapserzeugung für 2026/27 von rund 19,77 Mio. t auf etwa 19,45 Mio. t reduziert. Statt bislang 5,7 Mio. t rechnet die Kommission nun mit rund 6,42 Mio. t Einfuhren. Das entspricht einer Erhöhung um mehr als 700.000 t. Die erwartete Verarbeitung wurde auf knapp 24,9 Mio. t angehoben.
Für den Rapspreis ist diese Kombination grundsätzlich unterstützend. Hinzu kommt die Entwicklung im gesamten Pflanzenölkomplex. Fällt die Sonnenblumenernte erneut schwächer aus als ursprünglich erwartet, reduziert sich der Wettbewerbsdruck auf Rapsöl. Auch Sojabohnen sollten für die Beurteilung des Rapspreises weiterhin beobachtet werden – allerdings als eigenständiger Konkurrenzmarkt innerhalb des Ölsaatenkomplexes. Die entscheidende Frage für Soja wird deshalb sein, ob sich die bisher hohen Ertragserwartungen in den USA tatsächlich bestätigen. Gleichzeitig hat sich die chinesische Nachfrage zuletzt deutlich belebt.
Zusätzlich hat der Energiemarkt wieder erheblich an Bedeutung gewonnen. Der Rohölpreis ist in den vergangenen Wochen wieder kräftig gestiegen. Für Raps ist diese Entwicklung besonders relevant, weil Rapsöl ein wichtiger Rohstoff der europäischen Biodieselproduktion bleibt.
Weizen: Kräftige Korrektur der Preise
Der Weizenmarkt hat in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Bewegung hinter sich. Nachdem der Dezember-Termin an der Euronext Anfang September zeitweise bis auf 259,25 €/t gestiegen war, folgte innerhalb weniger Handelstage eine kräftige Korrektur zurück in Richtung 245 €/t. Damit hat sich genau jene hohe Volatilität entwickelt, die bereits im vergangenen Monat absehbar war.
Der Weizenmarkt wird momentan weniger von Veränderungen der europäischen Erntemenge als von der Frage bestimmt, welche Mengen auf dem Weltmarkt tatsächlich verfügbar sind und zuverlässig verschifft werden können.
Nach einem ausgesprochen schwachen Saisonstart haben die Ausfuhren aus Europa zuletzt deutlich aufgeholt. Auch die längerfristigen Handelsdaten zeigen, dass europäischer Weizen international wettbewerbsfähig bleibt.
Sollten sich Exporte aus Russland und der Ukraine normalisieren und gleichzeitig die europäischen Ausfuhren nur langsam entwickeln, wäre weiteres Korrekturpotenzial vorhanden. Bleiben dagegen Logistik und Schifffahrt eingeschränkt, könnte die zuletzt abgebaute Risikoprämie sehr schnell wieder zurückkehren.
Mais: Importbedarf wird zur Realität
Während in den USA trotz der Verschlechterung der Bestandsbewertungen weiterhin eine große Ernte möglich ist, bleibt die europäische Versorgung angespannt. Der November-Termin an der Euronext bewegte sich Anfang September weiterhin deutlich oberhalb der entsprechenden US-Notierungen.
Die Ursache liegt inzwischen nicht mehr allein in Erwartungen über die europäische Ernte. Der steigende Importbedarf wird zunehmend in den tatsächlichen Warenströmen sichtbar. Jetzt geht es zunehmend darum, woher der fehlende Mais kommen soll.
Die USA spielen dabei eine deutlich größere Rolle als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig bleibt die Ukraine ein wichtiger Anbieter. Ihre Rolle hängt jedoch nicht nur von der dortigen Erntemenge ab, sondern ähnlich wie beim Weizen von der Exportlogistik.
Gleichzeitig wirkt sich die schwächere europäische Maisernte zunehmend auf den gesamten Futtermarkt aus. Bereits im August stellte sich die Frage, wodurch fehlender Mais im Futtertrog ersetzt werden kann.
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