Nützliche Jäger im Verborgenen: Schlangen in Wein- und Obstbaugebieten

Begegnungen mit Schlangen lösen bei vielen Menschen noch immer Unbehagen aus. Doch wer im Weingarten, in der Obstanlage oder am Feldrand eine Schlange entdeckt, muss nicht automatisch Alarm schlagen.

Äskulapnatter auf Rebe

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Ein Rascheln im Gras, ein schlanker Körper zwischen den Rebzeilen oder eine Schlange, die sich auf einer Trockensteinmauer sonnt: Was viele erschreckt, ist in Österreich meist ein Zeichen dafür, dass eine Landschaft strukturreich und ökologisch intakt ist. Von den heimischen Schlangenarten sind lediglich Kreuzotter und die äußerst seltene Hornotter giftig. Die übrigen Arten, darunter Schlingnatter, Ringelnatter, Äskulapnatter (im Bild) und Würfelnatter, sind für den Menschen ungefährlich. Gerade die Schlingnatter wird jedoch häufig mit der Kreuzotter verwechselt. Experten weisen darauf hin, dass die Angst vor Schlangen oft größer ist als die tatsächliche Gefahr.

Nützliche Helfer gegen Mäuse und Co.

Für die Landwirtschaft können Schlangen durchaus von Nutzen sein. Viele Arten ernähren sich von Mäusen, Wühlmäusen und anderen Kleinsäugern. Besonders die Äskulapnatter gilt als geschickte Jägerin von Nagetieren. Gerade im Wein- und Obstbau, wo Wühlmäuse regelmäßig Schäden an Wurzeln und jungen Pflanzen verursachen, tragen Schlangen zur natürlichen Regulierung der Bestände bei. Auch Insekten, Heuschrecken, Kaulquappen oder Nacktschnecken stehen, je nach Art, auf ihrem Speiseplan. Schlangen übernehmen damit eine Funktion im Ökosystem, die häufig unterschätzt wird.

Vor allem Weinbaugebiete zählen zu den bevorzugten Lebensräumen einiger heimischer Schlangenarten. Trockensteinmauern, Böschungen, Lesesteinhaufen und sonnige Hanglagen bieten ideale Bedingungen. Auch extensiv bewirtschaftete Feldränder und strukturreiche Obstanlagen werden gerne genutzt. Schlingnattern fühlen sich insbesondere an warmen, geschützten Standorten wohl. Äskulapnattern wiederum sind in Teilen Ostösterreichs regelmäßig anzutreffen und können eine beachtliche Länge von bis zu 1,8 Metern erreichen. Trotz ihrer Größe sind sie für Menschen harmlos und meiden den Kontakt.

Kein Grund zur Sorge

Kommt es dennoch zu einer Begegnung, empfehlen Fachleute, Ruhe zu bewahren und Abstand zu halten. Schlangen sind scheue Tiere und flüchten in der Regel, sobald sie Menschen wahrnehmen. Selbst Kreuzottern beißen nur dann, wenn sie sich unmittelbar bedrängt fühlen. Wer eine Schlange entdeckt und unsicher ist, sollte das Tier keinesfalls anfassen. Ein Foto aus sicherer Entfernung kann helfen, die Art bestimmen zu lassen. In den meisten Bundesländern stehen dafür Natur- und Artenschutzorganisationen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Dennoch sind Schlangen nicht überall gern gesehen. Gerade auf Betrieben mit Kindern oder Haustieren sorgt ihr Auftreten oftmals für Verunsicherung. Auch die Arbeit im hohen Gras oder bei der Ernte kann zu überraschenden Begegnungen führen. Experten plädieren daher weniger für eine romantische Verklärung als vielmehr für einen sachlichen Umgang: Schlangen sind Wildtiere und verdienen Respekt, ebenso wie ihre Rolle im Naturhaushalt. Ihr Vorkommen zeigt, dass landwirtschaftliche Flächen neben der Produktion auch Lebensraum für zahlreiche Tierarten bieten. Wer also künftig im Weingarten, in der Obstanlage oder am Ackerrand einer Schlange begegnet, muss sich keine Sorgen machen. In vielen Fällen handelt es sich um einen unauffälligen und nützlichen Mitbewohner, der dabei hilft, das ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

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