Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich einmal freiwillig meine Friseurschere gegen Gummistiefel tausche und mich über eine schöne Kuh fast mehr freue als über eine perfekte Frisur, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht“, holt Barbara Egger aus. Begonnen hat alles als die nunmehrige Bäuerin, die eigentlich gelernte Friseurin ist, ihren jetzigen Mann Roman kennenlernte. Dieser hatte den elterlichen Betrieb 2009 übernommen. Schon damals war Barbara Egger klar: „Ich wollte nicht die Frau sein, die nur mithilft, wenn Not am Mann – oder besser gesagt an der Frau – ist. Ich wollte wissen, was ich tue, mitentscheiden und Verantwortung übernehmen.“ Da ihr Mann zusätzlich noch einem anderen Beruf nachgeht, ist seit 2014 Barbara Egger Betriebsführerin. Der Hof ist auf Rinderzucht mit Schwerpunkt Murbodner, Hühnermast sowie Direktvermarktung von Geflügelfleisch und Kalbfleisch spezialisiert.
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Egger tauschte die Friseurschere mit Stiefeln ein.
Plötzlich Bäuerin – eine Broschüre
So wie Barbara Egger geht es hierzulande vielen Frauen. Rund ein Drittel der österreichischen Betriebe wird mittlerweile von Frauen geführt. Junge Bäuerinnen und vor allem Quereinsteigerinnen bringen frischen Wind auf die Höfe, treiben vielfach Innovationen voran und leisten einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe. Unterschiedliche regionale Broschüren der Bäuerinnen sollen auf diesem Weg eine Stütze sein. Die Ratgeber, meist von den Landwirtschaftskammern herausgegeben, informieren über Beratungs-, Weiterbildungsangebote, Rechtliches, Tätigkeiten der Interessenvertretung, soziale Absicherung, aber auch über Lebensqualität am Bauernhof.
Ich wollte nicht die Frau sein, die nur mithilft, sondern auch mitentscheidet und Verantwortung übernimmt.
Barbara Egger
Ziel ist es, die Frauen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu lassen. Denn Landwirtschaft ist ein herausforderndes Berufsfeld und der Einstieg sei oft nicht einfach, heißt es von diversen Vertreterinnen. Vor allem weil moderne Bäuerinnen zeitgleich auch Unternehmerinnen, Organisatorinnen, Vermarkterinnen und oft auch Vermittlerinnen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft sind. Gleichzeitig ist ein Bauernhof Wohn- und Arbeitsplatz zugleich. Das ist eine besondere Lebensform, die viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt.
Einfach anfangen
Barbara Egger ist zwar selbst auf einem Bergbauernhof aufgewachsen. Wie so oft wollte sie aber etwas ganz anderes machen, was ihr zunächst auch gelungen ist. Mittlerweile kann sie sich ein Leben ohne ihre Tiere nicht mehr vorstellen.
Murbodner Rinder auf der Alm
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Ein weiterer Betriebszweig ist auch die Geflügelmast.
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Aber auch die Bäuerin beschreibt Situationen, an denen sie an sich gezweifelt und Fehler gemacht hat. Mittlerweile sieht sie das locker: „Man muss nicht alles können, bevor man anfängt.“ Sie empfiehlt daher Fragen zu stellen, Kurse zu machen, auszuprobieren, Fehler zu machen, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Ihr persönlich hat die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin und anschließend die Meisterausbildung in der Landwirtschaft weitergeholfen.
Es muss nicht immer alles perfekt sein, es muss funktionieren.
Barbara Egger
Ein anderer Blickwinkel kann oft helfen
Gerade Quereinsteigerinnen bringen Kompetenzen aus anderen Berufen mit. Barbara Egger hat vor allem ihre Menschenkenntnis mitnehmen können. „Als Friseurin habe ich gelernt zuzuhören, spontan zu reagieren, genau zu arbeiten und Lösungen zu finden“, das helfe ihr nun vor allem in der Direktvermarktung. Auch eine gute Organisation und Prioritäten zu setzen sind ihrer Meinung nach enorm wichtig für eine erfolgreiche Bewirtschaftung.
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Handarbeit gehört bei den Eggers dazu.
„Es muss nicht immer alles perfekt sein, es muss funktionieren“, sagt Egger. Sie erinnert sich noch gut an ihre Anfangsphase zurück, als sie von anderen schon genauer unter die Lupe genommen wurde. Überhaupt als sie neue Ideen in den Betrieb einbrachte. Dennoch sieht sie den Blick von außen nach wie vor als Vorteil.
Bäuerin sein, wenn man will
Der 44-Jährigen ist eines aber ganz wichtig: Der Beruf soll nicht gemacht werden, nur weil der Mann einen Betrieb hat, weil es die Familie verlangt oder weil Landwirtschaft in den sozialen Medien oft romantisiert wird. „Man soll Bäuerin sein, wenn man es selbst will.“ Auch wenn sie es selbst nicht geglaubt hat, würde sie mittlerweile ihre Stallstiefel nicht mehr mit der Friseurschere tauschen wollen.
Betriebsspiegel:
Barbara und Roman Egger
Rinderzucht mit Schwerpunkt Murbodner, Masthühner sowie Direktvermarktung von Geflügelfleisch und Kalbfleisch
in Stall im Mölltal (Ktn.) im Nebenerwerb
Seit 2014 ist Barbara Egger Betriebsführerin
Zusätzlich ist sie als Besamungstechnikerin und LKV-Probenehmerin tätig
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