Rein ins Dirndl oder in die Lederhose und raus aufs Dorffest: In den Sommermonaten reiht sich in vielen österreichischen Gemeinden ein Kirtag an das nächste Fest. Doch sobald die Festzelte aufgebaut werden und Musik durch die Orte klingt, beginnt für viele Vereine die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Was für Besucherinnen und Besucher nach einem gemütlichen Tag aussieht, bedeutet hinter den Kulissen oft wochenlange Vorbereitung. Organisiert werden Kirtage, Dorffeste oder Erntedankfeiern vielfach von Vereinen wie der Landjugend, der Feuerwehr oder Musikvereinen und dort engagieren sich zahlreiche junge Menschen aus der Landwirtschaft.
Eine von ihnen ist Susanna Köfler, Mädlleiterin der Landjugend Fellach in Kärnten. Für sie sind Veranstaltungen weit mehr als nur ein Fest. Sie schaffen Begegnungen und stärken den Zusammenhalt im Ort. „Das ganze Dorf trifft aufeinander, man redet, tanzt, lacht, singt und musiziert gemeinsam“, beschreibt sie die Atmosphäre beim traditionellen Kirchtag ihres Vereins.
Die Gemeinschaft zählt
Neben dem Kirchtag organisiert die Fellacher Landjugend unter anderem ein Erntedankfest mit Festumzug und Frühschoppen. In den vergangenen Jahren ist außerdem ein offener Tanzabend entstanden. Die Idee kam von ehemaligen Mitgliedern, die sich gemeinsame Tanzabende wie früher wünschten. Heute treffen dort aktive und ehemalige Landjugendmitglieder, befreundete Vereine und Interessierte aufeinander.
Gerade diese Begegnungen machen für Köfler den besonderen Wert solcher Veranstaltungen aus. „Es werden alte Geschichten erzählt, man tanzt miteinander und Jung und Alt können gemeinsam feiern“, sagt sie. Dass viele Feste ihren traditionellen Charakter über Jahrzehnte bewahren konnten, sei ein wichtiger Teil ihrer Identität.
Ohne Ehrenamt keine Feste
Bis ein Fest stattfinden kann, sind jedoch viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit notwendig. Besonders in den Wochen vor einer Veranstaltung gibt es viel zu organisieren. Vom Aufbau über die Verpflegung bis zum Abbau sind zahlreiche Helferinnen und Helfer gefragt. Dabei sei Teamarbeit entscheidend, erzählt Köfler. Aufgaben würden innerhalb des Vereins aufgeteilt, jeder übernehme einen eigenen Bereich. Gleichzeitig habe man Verständnis dafür, wenn jemand beruflich oder privat gerade weniger Zeit habe. Genau diese gegenseitige Unterstützung mache Vereinsarbeit aus.
Copyright © Köfler
Köfler bei einer Rede in Fellach
Landwirtschaftliches Können ist gefragt
Vor allem Jungbäuerinnen und Jungbauern übernehmen bei der Organisation vieler Feste wichtige Aufgaben. Beim Auf- und Abbau werden häufig Traktoren und Anhänger benötigt, Zelte, Theken oder Tanzböden müssen transportiert und aufgebaut werden. Viele bringen dafür das notwendige handwerkliche Geschick und praktische Erfahrung mit. Auch in der Landjugend spielen landwirtschaftliche Fähigkeiten eine wichtige Rolle. Bei Wettbewerben werden sowohl traditionelle Arbeiten als auch moderne Fertigkeiten aus der Landwirtschaft verlangt. Dadurch können junge Bäuerinnen und Bauern ihr Wissen einbringen und gleichzeitig altes Handwerk bewahren. Köfler selbst profitiert ebenfalls von ihrer Erfahrung. Sie stammt von einem Betrieb mit Pferden und Mutterkühen und sagt, dass sie vieles aus ihrer landwirtschaftlichen Prägung in die Vereinsarbeit mitnehmen könne.
Mehr als ein Ehrenamt
Für die 26-Jährige bedeutet die Landjugend weit mehr als organisatorische Arbeit. „Man lernt Freunde fürs Leben kennen, unternimmt gemeinsam etwas und kann als Verein wirklich etwas bewegen“, sagt sie. Wie groß dieser gesellschaftliche Beitrag sein kann, zeigte zuletzt ein Tat.Ort-Jugend-Projekt ihres Vereins. Aus Holz-, Stoff- und Metallresten fertigten die Mitglieder Dekorationsartikel, die auf Märkten verkauft wurden. Rund 1.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden später konnten 3.000 Euro an eine Sonderschule gespendet werden. Mit dem Geld wurden Projekte und Ausflüge ermöglicht sowie Familien bei der Finanzierung der Nachmittagsbetreuung unterstützt.
Copyright © Köfler
Köfler beim Handmähen der Landjugend Meisterschaft
Generationen verbinden
Für Köfler liegt genau darin der eigentliche Wert des Ehrenamts. Vereine bringen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. Gleichzeitig werden Traditionen an die nächste Generation weitergegeben. „Es ist schön zu sehen, dass schon viele Generationen vor uns mit derselben Freude und demselben Engagement dabei waren“, sagt sie. Heute beobachte sie dieselbe Begeisterung bei den jüngsten Mitgliedern ihres Vereins. Für sie sind Kirtage und Dorffeste deshalb weit mehr als Unterhaltung. Sie schaffen Begegnungen, stärken das Gemeinschaftsgefühl und halten das Dorfleben lebendig. Ohne das Engagement vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer und vor allem ohne den Einsatz zahlreicher Jungbäuerinnen und Jungbauern, wären viele dieser Veranstaltungen kaum denkbar.
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))