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Bodenschutz: Kein Luxusproblem

In 20 Jahren wurden in Österreich 130.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 72.000 Hektar Acker, versiegelt. Von diesen hätten sich 500.000 Menschen ernähren können.

Österreichs Landesfläche hat ein Ausmaß von rund 84.000 Quadratkilometern(km2), wovon auf den Dauersiedlungsraum 32.700 km2 (39 %) entfallen. Die Einwohnerzahl dürfte gemäß Prognosen der Statistik Austria von derzeit 9,2 Millionen Personen bis 2030 auf 9,35 Millionen ansteigen. Der Bedarf an Wohnungs- und Verkehrsflächen sowie für Freizeiteinrichtungen wird demnach ebenfalls zunehmen. Von der Gesamtfläche Österreichs bewirtschaften etwa 150.000 bäuerliche Betriebe 2,57 Millionen Hektar (ha) landwirtschaftliche Nutzfläche (LN), das entspricht einem Drittel des Bundesgebiets.

Als von Klimawandel und Bodenschutz noch kaum die Rede war, wohl aber vom sauren Regen und Waldsterben, veranstaltete das Landwirtschaftsministerium mit Unterstützung der Universität für Bodenkultur schon 1982 die Fachtagung „Ökologie und Ökonomie“ mit einem ausführlichen Bericht über die Bedeutung einer bodenschonenden Bewirtschaftung des Ackerlandes und die Notwendigkeit, dem Bodenschutz zunehmende Bedeutung zur Sicherung der Lebensgrundlagen einzuräumen.

Bereits 1973 hat Österreich die „Europäische Bodencharta“ unterschrieben und sich verpflichtet, die Böden vor Erosion, Verschmutzung und Versiegelung zu retten. Mit dem „Ökosozialen Agrarmanifest“ 1988 des damaligen Landwirtschaftsministers Josef Riegler wurden zehn Prinzipien für eine nachhaltige Landwirtschafts- und Umweltpolitik formuliert und eine Bodenstrategie entwickelt.

Der viel zu hohe Bodenverbrauch, auf den auch die Hagelversicherung immer wieder hinweist, ist seit vielen Jahren politisches Dauerthema. In den Regierungsprogrammen der vergangenen Jahre wurde die Reduktion des Bodenfraßes auf täglich 2,5 Hektar bis zum Jahr 2030 festgelegt. Der Österreichische Gemeindebund als Interessenvertretung von 2.092 Kommunen präsentierte 2024 den „Bodenschutzplan“ mit einem flexiblen und praktikablen Werkzeugkoffer für einen sparsamen Umgang, insbesondere mit land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Die Hagelversicherung macht in diesem Zusammenhang auch darauf aufmerksam, dass für den nach wie vor zu hohen Bodenverbrauch auch die hohe Anzahl von Supermärkten auf grünen Flächen an den Ortsrändern mit 60 pro 100.000 Einwohner verantwortlich ist.

Hoher Verlust wertvoller Agrarflächen

In den vergangenen 20 Jahren wurden in Österreich 130.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 72.000 Hektar Acker, versiegelt. Von diesen könnten sich 500.000 Menschen ernähren. In Österreich stehen rund 1.465 Quadratmeter (m2) Ackerland pro Kopf zur Verfügung.

Die budgetären und ökonomischen Probleme sowie die Auswirkungen der diesjährigen Hitzeperiode auf die Unternehmen sowie die Land- und Forstwirtschaft haben die Diskussion über eine „Bodenstrategie“ vorerst verdrängt. Der vor Kurzem vorgestellte WWF-Bodenreport macht aber auf dieses Thema wieder aufmerksam, weil der Bodenfraß immer noch zu hoch ist. Im Dreijahresschnitt werden täglich immer noch 6,5 Hektar versiegelt, aber immerhin wesentlich weniger als vor zehn Jahren mit mehr als elf Hektar. Der Bodenverbrauch pro Kopf ist im Burgenland mit 1.251 m2 am höchsten, beträgt in Niederösterreich 952 m2 und in Kärnten 888 m2.

Im Österreich-Durchschnitt ergibt sich gemäß WWF ein Bodenverbrauch pro Kopf von 618 m2 und ist in Wien mit 121 m2 am geringsten. In der Gesamtbewertung für den Bodenschutz schneiden Salzburg, Niederösterreich und die Steiermark am besten ab. Im WWF-Report wird auch darauf aufmerksam gemacht, dass in den Alpen der Siedlungsraum immer knapper wird. In Vorarlberg werden bereits 30 Prozent, in Tirol 23 Prozent und in Salzburg 29 Prozent Dauersiedlungsraum beansprucht. Ein nach wie vor aktuelles, vor allem die Gemeinden betreffendes Thema, sind leer stehende Immobilien in der Größe von 40.000 Hektar, das entspricht der Fläche Wiens.

Übrigens: Die Landwirtschaft mit 24.000 Bio-Betrieben, die 697.500 Hektar bewirtschaften, leistet im Rahmen des Umweltprogramms mit 27 Maßnahmen und 89.000 Betrieben einen wichtigen Beitrag für den Arten- und Bodenschutz und die Biodiversität. Die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK) wird 2028 die nächste Überprüfung der Flächenentwicklung und die Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Bodenversiegelung vorlegen.

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