Barbara Riegler

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Bio-Boom zwischen Markt und Politik: Barbara Riegler im Interview

Seit nunmehr 20 Jahren prägt Bio Austria als größter Öko-Verband Europas die Szene. Ein Gespräch mit Obfrau Barbara Riegler zu den Herausforderungen des Sektors.

BauernZeitung: Frau Riegler, Bio ist im Trend, zumindest wenn man sich die Umsatzzahlen im Handel ansieht. Was ist das Geheimnis des Höhenflugs?

Riegler: Das Bio-Allzeithoch im Handel steht auf mehreren Füßen. Zunächst haben wir eine treue Konsumentenschaft. Während in der Corona-Zeit etwa in Frankreich und Deutschland der Bio-Absatz deutlich zurückging, sind wir in Österreich stabil durch diese Krisenzeit gekommen. Dass hat auch damit zu tun, dass wir als Bio Austria die Konsumentinnen und Konsumenten seit jeher als unseren Verbündeten betrachten und nichts unversucht lassen, um mit ihm in Austausch zu treten. Auch der Handel hat die heimische Bio-Landwirtschaft immer unterstützt und so die biobäuerlichen Produkte nah zum urbanen Konsumenten gebracht. Nicht zu vergessen sind auch die seit vielen Jahren bestehenden politischen Rahmenbedingungen in der österreichischen Agrarpolitik. Wenn Markt und politische Rahmenbedingungen stimmen, hat sich Bio immer gut entwickelt. Das ist definitiv eine Erfolgsgeschichte.

Von der Jubelstimmung in der Vermarktung kann in der Bauernschaft ob der diesjährigen Dürre keine Rede sein. Sie sind selbst Landwirtin, wie hat Sie die Dürre betroffen?

Wir sind mit unserem Hof im Mühlviertel selbst massiv betroffen, nach zwei ertragsschwachen Schnitten ist im Grünland gar nichts mehr gewachsen. Letztlich mussten wir etwa ein Viertel unseres Rinderbestands abstocken. Zusätzlich kaufen wir Silomais zu.

Damit sind Sie heuer nicht allein. Kamen die Ausnahmegenehmigungen für Futterzukauf am Bio-Betrieb schnell genug?

Grundsätzlich obliegt die Entscheidung über den konventionellen Futterzukauf im Katastrophenfall den Landesbehörden. Diese haben unterschiedlich schnell reagiert, denn auch die Betroffenheit war regional unterschiedlich. Zusätzlich liefern viele Betriebe in Projekte wie „Ja!Natürlich“ oder „Zurück zum Ursprung“. Die kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Wir unterstützen als Verband seit Wochen intensiv bei der Bio-Futtervermittlung, etwa mit Bio-Mais aus dem Burgenland. Das tun wir aus Überzeugung und bleiben dran.

Wenn der Markt und die politischen Rahmenbedingungen stimmen, hat sich Bio immer gut entwickelt.

Barbara Riegler

Bundesweit einheitlich wird das Dürrepaket greifen. Sind Sie mit dem Maßnahmenbündel zufrieden?

Die Hilfen sind wichtig. Aus meiner Sicht wäre aber eine etwas zielgerichtetere Katastrophenhilfe wünschenswert gewesen. Vor allem müsste es auch um Anpassungsstrategien an den Klimawandel gehen. Bio kann hier die Antwort für die Zukunft sein.

Stichwort Wünsche an die Politik. Für den Bio-Landbau wurde das Agrarumweltprogramm (ÖPUL) in der laufenden Periode mehrfach nachgebessert. Warum?

Wir konnten in den Nachverhandlungen ein paar Schräubchen für Tierhaltende und den Ackerbau drehen. Zu Beginn der GAP-Periode haben wir Betriebe verloren. Das kann nicht unser Ziel sein. Wie schon gesagt, Markt und politischer Rahmen sind die zwei Säulen für eine stabile Wachstumskurve bei den Bio-Betrieben.

Zu Beginn der laufenden GAP-Periode haben wir Bio-Betriebe verloren. Das kann nicht das Ziel sein.

Barbara Riegler

Als Hemmschuh könnte sich hier die nächste GAP-Periode erweisen. Deutliche Kürzungen werden in Brüssel derzeit diskutiert. Ihre Meinung?

Aus biobäuerlicher Sicht ist klar, der Status quo kann durch die vielen Herausforderungen nicht das Ziel sein. Landwirtschaft ist ständig im Wandel und das muss man auch bei den Lenkungseffekten der Förderpolitik mitdenken. Es wäre wichtig, dass jetzt der Weg hin zu noch mehr Nachhaltigkeit bereitet wird. Auch die Politik wird erkennen, dass dieses öffentliche Geld auch dazu verwendet wird, öffentliche Leistungen zu bezahlen. Und wer Umweltleistungen erbringt, wie wir das als Biolandwirtschaft machen, muss dafür auch das notwendige Geld erhalten.

Das heißt?

Die Umweltwirkungen müssen stärker Berücksichtigung finden. Das ist nicht nur mein Wunsch, sondern auch der der Bevölkerung. Nach diesem Sommer hört man allerorts „Da muss doch etwas in Bewegung kommen“. Dieses Momentum gilt es zu nutzen.

Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Bio-Landwirtschaft weiter auszubauen. Wohin geht die Reise?

Mit unseren derzeit 12.000 Mitgliedern leisten wir einen Beitrag zum Erhalt der kleinstrukturierten Landwirtschaft und der Biodiversität. Das Bewusstsein, den Fokus auf die Produktion von gesunden, hochwertigen Lebensmitteln zu setzen, steigt. Bio ist das Zukunftsmodell für die Landwirtschaft. Wenn die Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin bewusst zu Bio greifen und die Nachfrage steigt, wird auch die Bio-Landwirtschaft weiter wachsen und damit auch Bio Austria.

Zur Person

Mag. (FH) Barbara Riegler hat Produkt- und Projektmanagement für Lebensmittel studiert und ist seit 2023 Obfrau von Bio Austria. Mit ihrem Mann Helmut betreibt sie in Bad Kreuzen (Mühlviertel) einen breit aufgestellten Bio-Hof mit Mutterkuhhaltung, Ferkelproduktion, Legehennen, Geflügelmast sowie Ackerbau. Sämtliche Erzeugnisse werden über Direktvermarktung vertrieben.

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