Arbeitsspitzen meistern mit den „Lebensmittelhelfern“

Am 20. März wurde die Arbeitskräfte-Vermittlungsplattform www.dielebensmittelhelfer.at vorgestellt. Genau zwei Monate später kann durchaus positive Bilanz gezogen werden: Auch wenn es Verbesserungspotential gibt, sollte das Projekt eine Fortsetzung finden, sind sich Markus Kleedorfer, Josef Stich und Harald Schodl einig.

„Interessierte aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen“

So wie viele andere hat die CoronaKrise den Betrieb von Markus Kleedorfer in Höbersdorf (Bezirk Stockerau) zu Beginn der arbeitsintensivsten Zeit getroffen. Familie Kleedorfer hat sich auf den Obst- und Gemüsebau spezialisiert. Neben Äpfeln und Marillen (die heuer bereits zu 95 Prozent dem Spätfrost zum Opfer gefallen sind) ist der Spargel die Hauptkultur. Normalerweise sind während der Spargelsaison 15 tschechische Erntehelfer am Betrieb. Aufgrund der Reisebeschränkungen durften diese jedoch über Nacht nicht mehr einreisen.

„Fünf Tage vor Beginn der Spargelernte wussten wir nicht, wo wir ausreichend Arbeitskräfte herbekommen“, berichtet Markus Kleedorfer von seiner fast auswegslosen Situation. Er registrierte sich auf der Homepage der „Lebensmittelhelfer“, setzte aber gleichzeitig auch über die tschechische Botschaft alle Hebel in Bewegung, um Ausreise genehmigungen für sein Stammpersonal aus dem benachbarten Ausland zu bekommen. „Ich war ziemlich skeptisch, ob wir über die Plattform ausreichend Arbeitskräfte bekommen und ob diese die schwere Arbeit auch bewältigen würden“, weist Kleedorfer darauf hin, dass das Spargelstechen nicht nur anstrengend ist, sondern auch bei jedem Wetter erledigt werden muss.

Mittlerweile ist fast die Hälfte der Ernte eingebracht und Markus Kleedorfer zeigt sich zufrieden: „Die Erntehelfer aus Tschechien sind mittlerweile wieder zu Hause, das tägliche Pendeln erwies sich dann doch als zu belastend. Dafür haben wir nur gute Erfahrungen mit den ‚Lebensmittelhelfern‘ gemacht.“ Entgegen seiner Erwartungen waren es nicht vorwiegend Studenten, sondern Interessierte aus allen Bevölkerungs- und Altersschichten, die sich gemeldet haben. Dass die meisten nur einige Tage oder Wochen kommen konnten, verlangte zwar etwas Flexibilität vom Betrieb, doch die Einschulung erfolgte meist untereinander, so der Spargelbauer, der allen Helfern großen Einsatzwillen bestätigt und sich erfreut zeigt, dass seine Saisoniers aus der näheren Umgebung rekrutiert werden konnten.

„Einsatzwille zeichnete  alle unsere Bewerber aus“

Auch Bio-Imker Josef Stich aus Mannhartsbrunn berichtet über gute Erfahrungen mit den „Lebensmittelhelfern“. Er betreibt mit seiner Familie eine Berufsimkerei und hatte bisher während der Saison neben einem Mitarbeiter aus Österreich, der jetzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht, fallweise einen jungen Imker aus Polen. „Da dieser aufgrund von Corona nicht einreisen konnte, habe ich mich auf der Plattform registriert und schon nach wenigen Tagen einen Interessent aus der Nachbarortschaft gefunden“, erzählt der Imker. Mit großem Einsatz hat er bei Josef Stich mitgeholfen, bis er an seinen Arbeitsplatz zurückkehren musste. Daraufhin hat Josef Stich seine Suchanfrage erneuert und rasch drei neue Kontakte erhalten. Zwei von ihnen werden in der nächsten Zeit je nach Verfügbarkeit ihrer zeitlichen Kapazitäten (Studentinnen) bei Familie Stich mitarbeiten.

Mit der raschen Vermittlung zeigt sich auch Harald Schodl aus Ameis zufrieden. Er bewirtschaftet einen Bio-Ackerbaubetrieb. Soja, Kürbisse und Mais müssen in den kommenden Wochen gehackt werden. In den vergangenen Jahren haben drei tschechische Saisoniers bei der körperlich anstrengenden Arbeit mitgeholfen. Für heuer wurden Mitarbeiter über die Plattform der „Lebensmittelhelfer“ angworben. „Ich bin guter Dinge, dass wir es so schaffen“, betont Schodl, der überzeugt ist, dass es guten Willen und Offenheit von beiden Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – braucht. „Es kann jeder versuchen, der die körperlichen Voraussetzungen mitbringt und für mich ist es auch in Ordnung, wenn einer nach einem Tag draufkommt, dass er nicht weitermachen möchte“, so Schodl.

„Kommunikation zwischen den Beteiligten verbessern“

Dass die Betriebe zufrieden sind, freut auch Robert Winkler, der als Mitarbeiter des Maschinenrings NÖ/ Wien, für die Koordination zuständig ist. „Unsere Mitarbeiter in den Maschinenring-Regionalbüros klären die detaillierten Rahmenbedingungen des Betriebes ab und übermitteln diese den Arbeitskräften mit der Frage, ob dies für sie in Frage kommt oder nicht. Wenn ja, geben sie die Adressen an den Betrieb weiter. Dieser kontaktiert die potentiellen Arbeitskräfte und vereinbart alles weitere mit ihnen.“

Winkler weiß aber auch, dass es in der Vergangenheit zu Problemen in der Kommunikation gekommen ist: „Es ist leider korrekt, dass die Rückmeldungen sowohl seitens der Betriebe als auch der Arbeitskräfte nicht in der von uns gewünschten Intensität sind, und dies bei der Vermittlung hinderlich ist.“ Da müssten zukünftig Mittel und Wege gefunden werden, dies zu verbessern.

Die Lebensmittelhelfer in Zahlen

  • Rund 540 landwirtschaftliche und 30 verarbeitende Betriebe haben sich gemeldet.
  • Gemeldet wurde bisher ein Bedarf von rund 4500 land- und forstwirtschaftlichen Arbeitskräften. Aufgrund vieler Meldungen, die eher als Absicherung zu sehen sind, liege der tatsächliche Bedarf jedoch deutlich darunter, heißt es. • Rund 3500 Arbeitskräfte wurden im Zuge der Vermittlung angefragt, etwa 900 haben ihr Interesse zurückgemeldet und wurden an Betriebe vermittelt.
  • Insgesamt hatten sich über 20.000 Interessenten angemeldet, wobei nur etwa jeder Dritte kurzfristig bis Ende April und als Vollzeitkraft verfügbar war.
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